Anden 1 – Anden 2 – Anden 3 – Anden 4
– Anden 5
– Anden 6
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Studienreise in
die Anden
Prolog
Im April 2004
hat Nicole das Diplom der Hotelfachschule in Luzern erworben.
Sie wünschte
sich zur Ergänzung einen Studienaufenthalt in den Anden, der mit
Briefen
dokumentiert wird

Nicole: Samstag
1. Brief,
Hallo zusammen
Juhui die
Hotelfachschule ist geschafft und morgen geht es auf die lange Reise. Das
Reisefieber steigt...
Zuerst werde ich in Cuenca/Ecuador 2 Wochen zur Schule gehen. Danach reise ich
mit Caroline und später Beat
während zwei Monaten vermutlich in Peru und Bolivien, bis ich Mitte Juli
nochmals in Cuenca für einen Monat
zur Schule gehe. Als Abschluss reise ich über Miami zurück, wo ich zwei Wochen
bleibe. Meine Rückkehr in
Zürich ist auf den 28. August geplant.
Die Adresse meiner Gastfamilie (Aufenthalt von 2.5.-15.5. und vom 11.7 - 7.8)
in Cuenca lautet wie folgt:
Nicole Maissen
c/o Maria Aleja Cordero
Avda. De las Americas y los Naranjos s/n
Cuenca
Ecuador
Von meinen tollkühnen Abenteuern und lustigen Zwischenfällen werde ich euch ab
und an berichten.
Es würde mich freuen, auch zwischendurch von euch zu hören, wie es euch geht.
Am besten bin ich per E-Mail
erreichbar, mein Handy hat während vier Monaten Pause.
Liebe
Grüsse
Nicole
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
http://www.planetecuador.net/deutsch/infos.htm
Unterlagen zu
Ecuador und Cuenco
http://users.erols.com/tinajero/rpublica.html
Geschichte von Ecuador
siehe Google Pictures unter Luis Cordero
1892
Jul. 1 - Luis Cordero Crespo asume el poder
como Presidente de la República; Pablo Herrera es el Vicepresidente. Se
abre el Instituto La Salle en Quito.

Abb.1 Gemälde von Presidente Luis Cordero
(Im 2. Brief von Nicole erwähnt)

Abb.2 Ansicht von Cuenca
Cuenca
(Ecuador)
Aushängeschild
kolonialer Architektur: Spanier gründeten 1557 die Bergstadt Cuenca hoch in den
Anden.Encarta
© 1993-2003
Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
2. Brief
Ankunft in Cuenca,
Hallo zusammen
Ich bin gut in
Ecuador angekommen, lernte viele freundliche Leute kennen, habe bereits
meinen ersten Sonnenbrand, dafür ist es dann am Abend umso kälter, habe einiges
Religiöses gelernt und wurde mit meinen spärlichen Spanischkenntnissen ins
kalte Wasser geworfen. Nun aber der Reihe nach:
Meine
24-stuendige Reise von Zürich nach Quito verlief ohne groessere Zwischenfälle
und ich schaffte sogar das Umsteigen mit Immigration in New York, obwohl ich
nur eine gute Stunde Zeit hatte. Im Flug Bogota nach Quito durfte ich dann
neben einem Pastor sitzen, welcher verschiedene Missionen leitet und vor allem
mit Strassenkindern in Kolumbien arbeitet. Er hatte seine helle Freude an mir
und gab mir sogleich komplizierte religiöse Texte zu lesen, über die er mich
dann nachher abfragte. Dies gestalte sich mit meinen wenigen
Spanischkenntnissen ein bisschen schwierig, worauf wir uns dann einigten, dass
ich Franzoesich und er Spanisch spricht. So konnten wir uns dann über viele
interessante Themen unterhalten.

Plaza de la independencia
In Quito wurde
ich von Liliane abgeholt und in ein Hotel gebracht. Dies hatte meine
Sprachschule organisiert. Wir fanden uns sofort, schliesslich sind die
Flughafen in Quito sehr übersichtlich und schön gestaltet. Sowieso muss ich
sagen, dass mir Ecuador weniger arm vorkommt, als ich es mir vorgestellt habe.
Vielleicht habe ich bis jetzt zuwenig gesehen, vielleicht habe ich mir auch nur
das Schlimmste (à la India) vorgestellt. Mal schauen, was ich dann in so zwei
Monaten sage.
Am nächsten Tag
habe ich mit Liliane und Mark einen Amerikaner, der etwa vierzig ist und in
Florida alles verkauft hat, um ein paar Jahre Sprachen zu lernen, eine
Stadtrundfahrt gemacht. Dies war ideal, da unser 40-minutiger Flug nach Cuenca
erst um
Quito,
"La mitad del mundo", Aequatorlinie

Es war spannend
auf der Mitte der Erde zu stehen.
Auf dem Flug
nach Cuenca lernte ich einige Schweizerinnen kennen, alle im ähnlichen Alter
wie ich, welche die gleiche Sprachschule wie ich machen. Wir haben uns sofort gut
verstanden und ich bin froh hier in Cuenca ein paar Kolleginnen zu haben,
obwohl es für mein Spanisch nicht gerade förderlich ist.
In Cuenca
angekommen, wurde ich von meiner Gastmutter abgeholt. Wir fuhren dann kurz nach
Hause, wo ich mein Gepäck abstellte, um dann gleich weiter an ihr
Familientreffen zu fahren, wo ich etwa 20 Familienmitglieder kennen lernte. Vor
allem der Grossvater nahm sich meiner gleich an und erzählte mir stolz die
Geschichte von Ecuador, wobei er nicht vergass zu erwähnen, dass sein
Grossvater (Louis Cordero) um 1890 Präsident von Ecuador war. Ihr könnt euch
vorstellen, dass ich somit in einer eher besser gestellten weissen Familie
gelandet bin. Viele Kinder haben in Europa und in den USA studiert und
Hausangestellte (natürlich indigenas = indianische Einheimische) zu haben, ist
normal. Dieser Fakt ist ein bisschen komisch fuer mich. So habe ich zum
Beispiel mein Bett am Morgen bis anhin normal gemacht, bis ich gemerkt habe,
dass Gloria es trotzdem nochmals macht (oder machen muss) auf einer etwas
anderen Weise.

Neue Kathedrale mit den
Abdon-Calderon Park in Cuenca, Ecuador
Cuenca ist ein
hübsches Städtchen im Kolonialstil mit etwa 400000 Einwohnern. Es ist schön in
den Anden auf ca. 2500 m gelegen, wobei es am Mittag heiss mit starker
Sonneneinstrahlung ist und am Abend ziemlich kühl. Ich denke, ich werde mich
hier wohlfuehlen.
Die Schule
Estudio Sampere, in der ich bin, scheint auch nett. Sie ist gut organisiert und
die Leute sind sehr hilfsbereit. Nachdem ich gestern einen Einstufungstest
gemacht habe, hatte ich gestern nachmittag meine ersten Schulstunden (ich bin
mit vier Schweizerinnen in einer Gruppe). Als Lehrerinnen habe ich zwei lustige
und lebendige Damen, welche Lupe und Maria del Carmen heissen. Lupes Lieblingswort
ist "chévere = super", welches sie in jedem zweiten Satz sagt.
So, das wars
fuer das Erste von mir. Um zwölf habe ich Kulturstunde, in der wir viel über
die Geschichte Ecuadors erfahren.
Liebe Gruesse
Nicole
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Hallo Papi
Die Subdomain
ist sehr interessant. Habe heute morgen schon ein bisschen reingeschaut. Das
Bild von Cuenca ist sehr schoen.
Heute machen
wir einen Ausflug mit der Schule nach Ingapirca. Dort hat es die einzigen
erhaltenen Inkastaetten von Ecuador. Am Sonntag Abend werde ich euch anrufen.
Liebe Gruesse
Nicole
http://www.cuencanet.com/ingapirca/indexe.htm
Homepage zu
ingapirca
http://www.bespolka.com/bespolka%20web%20site/Home%20Page/index%20-%20South%20America.htm

Marktszene
Gualaceo
3. Brief,
Holá!
Seit über 10
Tagen befinde ich mich nun in Cuenca und meine erste Schulzeit neigt sich dem
Ende zu. Am Samstag treffe ich in Riobamba (6h entfernt) meine alten
Therikolleginnen Martha und Caroline. Am Sonntag werden wir zusammen die
berühmte Zugfahrt "el narriz del diablo" machen und danach gemeinsam
nach Loja (im Süden Ecuadors) reisen, wo die beiden in Projekten mithalfen.
Von Cuenca
und seiner Umgebung konnte ich einiges sehen. Die Schule organisiert neben
dem normalen Lehrplan, Salsaunterricht, Kochlektionen und Ausflüge in die nähere
Umgebung.

Ingapirca,
die am besten erhaltene Inkastätte
Letzten Samstag
waren wir in Ingapirca, wo die am besten erhaltenen Inkastaetten von Ecuador
sind. Wir hatten einen guten Führer, der die doch eher ziemlich abgebauten (die
Einheimischen haben die Steine für den Haueserbau abgetragen) Ruinen wett
machte. Für das erste Mal war ich nun auch auf 3600m, was sich bei einer
kleinen Wanderung bemerkbar machte.
Am Sonntag sind
wir (fünf Mädels aus der Schweiz) an farbenfrohe Märkte gegangen, welche gut
eine Stunde von Cuenca entfernt sind.
Es hatte keine
Touristen und wir waren eine ziemliche Attraktion. Dafür gab es viel
Interessantes zu sehen: Gebratene Schweine und Meerschweinchen (ein lebendiges
kostet ca.5$, Puuhh....), viel ungekühltes Fleisch (wenn ich da an meine
unzähligen Hygienestunden an der SHL denke), exotische Früchte und Gemüse
und natürlich die ganze traditionell gekleidetete indianische Bevölkerung.
In
meiner Gastfamilie hat es mir gut gefallen. Sie sind beide sehr
nett und da meine Gastmutter eine begeisterte Köchin ist, kam auch mein Gaumen
nicht zu kurz. Als Entgelt wollte sie dann immer neue Rezepte aus Europa
erfahren, die ich mit Ach und Krach ins Spanische übersetzen musste. Das
Vollkornbrot, welches wir danach backten, war dafür ziemlich gut. Am 18. Juli
werde ich für einen Monat in diese Familie zurückkommen. Ich habe die Schule um
eine Woche nach hinten verschoben, um auf die Galapagos gehen zu können. Zum
Glück habe ich diesen teuren Spass jetzt schon gebucht. Juli und August sind
Hochsaison und ich habe einen der letzten Plätze für einen 8-taegigen Trip auf
einem Boot ergattert.
Mein Spanisch
hat Fortschritte gemacht und ich habe mit Erfolg die erste Prüfung an der
Schule absolviert. Nun habe ich anscheinend Ueberlebenskenntnisse. Da bin ich
ja froh...
Ich wünsche
euch in der kalten Schweiz alles Gute. Wir haben hier schön Sonne und am Mittag
kann ich in den Sandalen und im T-Shirt rumlaufen.
Un abrazo muy
fuerte,
Nicole

Marktszene in Gualaceo
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Sendung vom
Ecuador - Auf Abenteuerfahrt in den Anden
Die bizarren und nicht immer
ungefährlichen Erfahrungen während der Dreharbeiten in der ecuadorianischen
Schienenwelt haben in diesem Film ihren Niederschlag gefunden. Entstanden ist
eine einmalige Reportage. Machen Sie sich gefaßt auf Dampfzug-Schaukelfahrten
dicht entlang an Abgründen bis hinauf in über 3.000 Meter Höhe. Die
berühmte Teufelsnase mit ihren bekannten Spitzkehren können Sie genauso
ausgiebig erleben wie die Mitfahrt auf dem Führerstand der mit Donnergetöse
schuftenden uralten Maschinen, mehrere Entgleisungen und natürlich die tolle
Hochgebirgslandschaft der Anden. Ein aktionsgeladener Bericht aus einer anderen
Eisenbahnwelt.
Weitere Informationen:
Ecuador verlangt bis zu einer
Aufenthaltszeit von 90 Tagen kein Visum, aber einen mindestens noch sechs
Monate gültigen Reisepass.
Impfungen werden für die Einreise
nicht verlangt, aber dringend empfohlen (v.a. Hepatitis A, Thyphus sowie
Malariaprophylaxe). Besuchen Sie vor Reiseantritt auf jeden Fall Ihren
Hausarzt. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin an der Universität
Hamburg bietet für 30 Mark eine detaillierte reisemedizinische Beratung
an:
Reiseveranstalter:
Einer der auf Ecuador
spezialisierten Reiseveranstalter in Deutschland ist die Frobeen Erlebnisreisen
GmbH. Frobeen bietet sowohl Pauschalreisen ab Deutschland als auch
Andenzugfahrten an, die je nach Reisedauer ab 430 Mark (zwei Tage/eine Nacht
inklusive Zugticket, Übernachtung, Verpflegung und Reiseleitung) bzw. ab 970
Mark (vier Tage/drei Nächte inklusive Zugticket, Übernachtung, Verpflegung und
Reiseleitung) gebucht werden können. Einen kostenlosen Katalog, der auch
landeskundliche Informationen enthält, können Sie anfordern bei:

Reiseliteratur:
Reiselektüre:
Link:
Diesen Film können Sie in einer
70-Minuten-Langfassung bei DESTI Medien bestellen:
„Dampfabenteuer in
Ecuador“
Vertrieb:
(Der WDR ist
nicht verantwortlich für den Inhalt externer Internetseiten.)
![]()
Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der Sendung Welt der Eisenbahnen vom
- Alle Angaben ohne Gewähr -
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
4. Brief, Mai 2004
Hallo
allerseits
Am Wochenende
bin ich wie erwähnt nach Riobamba gefahren, um Martha und Caro zu treffen. Die
sechs Stunden Busfahrt verbrachte ich in einem bequemen Bus und mit
verschiedenen Jean-Claude van Damme - Filmen. Zu sehen, dass die Passagiere
DVD's in den Bussen schauen können, war neu für mich. Das hatte ich noch in
keinem Land erlebt. Es kann aber ganz schön nerven, wenn der Film schlecht ist
oder wenn man von Kickboxen und Kanonenfeuer genug hat.
Es war toll die
beiden Mädels wieder zu treffen und wir fühlten uns sogleich in alte
Therizeiten versetzt. Dass die beiden die Gewohnheiten Ecuadors schon gut
kennen, macht das Reisen ziemlich angenehm und mit mehreren Personen fühlt man
sich doch gleich etwas sicherer.
Zugfahrt "La nariz del diabolo"
Am Sonntag
wollten wir dann die berühmte Zugfahrt von Riobamba nach Alausi und Simbabwe
machen. Die ganze Fahrt dauert ca.
Später sind wir
dann nach Loja im Süden Ecuadors gefahren, wo Martha weiter in ihrem Entwicklungsprojekt
arbeitet, die beiden Abschied nehmen von den Leuten, die sie hier kennengelernt
haben und ich mich etwas umschauen kann. Logieren können wir beim Chef des
Projektes, seiner Familie und dem etwas dummen Hund "Lucky".
Das Projekt "Biocorp" in dem die beiden gearbeitet haben, scheint gut
und wenn ich möchte, könnte ich hier gleich (natürlich unentgeltlich)
mitarbeiten. Loja ist ein schönes kleines Städtchen und wir nehmen es hier
ziemlich gemütlich. Schliesslich haben wir jetzt Ferien! Gestern sind wir nach
Vilcabamba gefahren, wo laut der Legende das Klima so toll ist, dass die Leute
außerordentlich alt werden. Wir haben dort zwar eher junge Touristen getroffen,
dafür ist die Luft ohne Abgase wirklich gut und in einem kleinen Wellness-Hotel
haben wir es uns gut gehen lassen.
Caro und ich
haben mittlerweile auch die erste Etappe unserer Reise organisiert. Morgen
Abend nehmen wir einen Nachtbus (15h) nach Trujillo. Dies ist eine der
groesseren Städte im Norden Perus. Es gibt dort einiges Kulturelles zu sehen,
das Nachtleben soll am Wochenende ordentlich sein und der Strand ist auch
nicht weit.
Liebe Grüsse
Nicole
4.Brief,
Hallo zusammen
Bevor wir
morgen auf ein viertägiges Trekking gehen, melde ich mich wieder einmal mit
unseren neusten Erlebnissen. Mein letzter Bericht erzählte hauptsächlich von
den Tagen in Loja. Nun, am Tag bevor Caro und ich nach Peru fuhren,
besuchte ich noch mit Martha die verschiedenen Ofen, welche sie mit den
Einheimischen gebaut hatte, damit diese ihre Keramik, welche sie verkaufen,
effizienter brennen können. Es war spannend, in die abgelegen ärmlichen
Bauerndörfer zu fahren und sich vorzustellen, mit welchen Schwierigkeiten die
beiden wahrend ihrer Projektzeit zu kämpfen hatten. Am Abend organisierten
Martha und ich für einen Ofen eine Stahlröhre, welche später den Kamin bilden
sollte und transportierten sie im Lokalbus. Wir beiden ausländischen chicas
waren mit unserem 2m-Rohr wohl ziemlich lustig anzusehen. Leider war die Fahrt
dann aber nicht sehr amüsant, da eine Frau einen schlimmen Unfall erlitt. In
Loja sind die Bustüren riesig und immer offen; wenn der Bus abrupt hält, kann
es somit gefährlich werden. Dies war dann auch was geschah. Eine Frau konnte
sich beim Aussteigen nicht halten und fiel auf die Strasse. Wir waren ziemlich
besorgt und entsetzt über den Zwischenfall, haben dann aber vernommen, dass es
sogar in Ecuador Versicherungen (des Busses) gibt, die einen solchen Unfall
bezahlen; zum Glück!

Bauerndorf
in Cera, wo Caro und Martha in einem Entwicklungsprojekt tätig waren
Am Abend haben
Caro und ich uns dann auf die lange Fahrt nach Trujillo gemacht. Die Grenze
haben wir ohne Probleme während der Nacht passiert. Als ich frühmorgens im Bus
erwachte und aus dem Fenster schaute, hatte ich zuerst einen Schock: Die
Landschaft war scheusslich, wüstenähnlich aber mit so komischen Sträuchern und
es hatte überall verstreuten Abfall, wie wenn man ihn mit einem Flugzeug fein
säuberlich verteilt hätte. Nichts war kultiviert und es hatte keine
Zivilisation. Dies dauerte dann eine Zeitlang so an, bis ich die ersten
verfallen Dörfer entdeckte. Peru ist um einiges ärmer als Ecuador und ich
schätze ich habe auf dieser Busfahrt einen kleinen Kulturschock erlebt.
Mittlerweile ist es besser; wir haben nun auch schöne Orte gesehen, aber die
ganze Ungerechtigkeit kann einem schon ganz schön beschäftigen. Obwohl Peru
oder vielleicht gerade weil es ärmer ist, sind die Leute äusserst freundlich
hier und sehr hilfsbereit. Nach dem oft schlechten Service (vor allem in den
Restaurants) in Ecuador ist dies eine willkommene Abwechslung. Übrigens
geniesst die Schweiz einen sehr guten Ruf hier in den Anden. Wir seien nett und
sehr gastfreundlich ( tut gut, nicht?).
Trujillo,
unserer ersten Destination in Peru, bietet einiges. Es ist eine herzige Stadt,
in denen es Ruinen aus zwei verschiedenen Epochen zu besichtigen gibt. Wie
immer genoss ich es in alten Gemäuern zu laufen und mir vorzustellen, wie die
Leute gelebt haben. Ebenso gibt es einen netten Strand in der Nähe der Stadt,
wo es coole Strandpromerade gibt und wir herrlichen Fisch assen.

Überreste
der Chan-Chan Kultur in der Nähe von Trujillo
Unsere zweite
Destination, in der wir mittlerweile sind, ist Huaraz. Dies ist eine berühmte
Trekkingdestination auf 3000m über Meer, welche inmitten zweier imposanten
Bergketten liegt. Die Aussicht ist fantastisch und ich fühle mich fast wie in
der Schweiz. Die Stadt ist sehr gemütlich und wir fühlen uns sehr wohl. Auf unserer
Reise haben wir verschiedene Kontakte mit anderen travellern geschlossen. Es
ist immer interessant Leute aus verschiedenen Kulturen zu treffen und einige
Zeit mit ihnen zu verbringen. Als wir unser Trekking organisierten, hatten wir
allerdings schon unseren ersten Zwischenfall und aus sechs Leuten, die zusammen
gehen wollten, wurden es dann nur noch drei. Nun, Caro, ich und Gijs (ein
Holländer, den ich von Cuenca her kenne) werden uns morgen auf diese intensive
Tour wagen. Ich hoffe mal es wird nicht zu kalt werden und dass ich die Höhe
gut vertrage. Die ersten Tage hatte ich nämlich einige Probleme damit und litt
unter Unwohlsein und Kopfschmerzen.
Un abrazo,
Nicole
http://www.aceinternationaltravel.com/about_huarez.htm
|
|
|
|||||
|
|
||||||
|
|
||||||
|
|
|
|
|
© 2001, Ace International |
|
|
Hermann Eberhard Löhnis Herausgegeben von Kurt Graf und Paul Hugger 2000, 420 Seiten, etwa 50 Illustrationen, broschiert |
||
|
|
|||
|
|
|||
Durch die Anden reitenVier Jahre bereist Hermann E. Löhnis um die Mitte des 19. Jahrhunderts Südamerika. Zunächst arbeitet er einige Monate in einem Kontor in Buenos Aires. Dann macht er sich auf eine strapaziöse und oft gefahrvolle Reise, die ihn um das Kap Horn und durch den ganzen Kontinent über die Hochländer der Anden bis nach Panama führen wird. Weite Strecken legt er auf dem Rücken des Maultiers zurück, bergauf, bergab, hinunter in tiefe Schluchten und über reissende Ströme. Bei allen Entbehrungen bleibt Löhnis ein scharfer Beobachter. Sein Blick richtet sich nicht nur auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der jungen Republiken. Löhnis berichtet auch eingehend über die politischen und sozialen Zustände, die Begegnung mit Menschen und von grossartigen Landschaften. So schildert er eindrücklich die Gewaltherrschaft des Präsidenten José Manuel Rosas in Argentinien, der sich als Prototyp moderner Diktatoren erweist, mit vollkommener Willkür, Korruption, Denunziation und Gesinnungsheuchelei. Löhnis bietet ein fesselndes Bild vom Leben in einem Kontinent, dessen Staaten die Kolonialherrschaft abgeschüttelt hatten und vor dem Umbruch zur Moderne standen. Die Herausgeber: Kurt Graf, geboren 1944, Titularprofessor am Geographischen Institut der Universität Zürich, bereist Bolivien seit vielen Jahren für vegetations- und klimageschichtliche Studien. Paul Hugger, Prof. Dr. phil., em. Ordinarius für Volkskunde an der Universität Zürich, Forschungsgebiete: Altes Handwerk, Hirtenkulturen, Fotografie als Medium des Alltags, Stadtvolkskunde. |
|||
|
|
|||
|
Inhalt Paul Hugger Kurt Graf Hermann Eberhard Löhnis Süd America Reise Teil I Von Le Havre nach Buenos Aires (1850) Alltag in Buenos Aires (1850) Politische und wirtschaftliche Nachrichten. Rosas’ Diktatur (1851) Vom Kampf der Opposition gegen Rosas. Die kriegerischen Wirren im benachbarten Uruguay Die Geschichte der La Plata-Staaten. Eine Übersicht seit der Entdeckung und eine Chronik der aktuellen Ereignisse. Höhepunkt und Zerfall der Diktatur Rosas
Teil II Von Montevideo um das Kap Hoorn nach Valparaiso (1852) Ein Blick auf Chiles Geschichte und die aktuellen Zustände Valdivia und das Einwanderungsproblem Weiterreise nach Lima (Mai 1852). Warnung an deutscheAuswanderer Von Callao nach Quito (Juni 1852) Notizen über Ecuador und General Flores Durchs Hochgebirge nach Bogotá (August 1852) Tabakanbau in der Region von Honda und die Silberminen von Santa Ana. Chinin Auf dem Magdalena-Strom nach Santa Marta (September 1852) Ankunft in Pánama und Überquerung des Isthmus (September 1852). Geplante Weiterreise nach México undCalifornien Politische und wirtschaftliche Zustände in Kolumbien |
|||
|
|
|||
|
|
|||
Es gilt einen Reisebericht anzuzeigen, der eineinhalb Jahrhunderte lang verschollen war. Und es gilt mit Verblüffung festzustellen, dass an den Unzulänglichkeiten des menschlichen Verhaltens wie der Verhältnisse dortzulande sich in dieser Zeit nicht viel geändert hat. Die Rede ist von der «Süd America Reise», die Hermann Eberhard Löhnis in den Jahren 1850-1852 unter grossen Strapazen unternommen und in sogenannten Briefen beschrieben hat. Wer Löhnis war, für wen er seine ausführlichen «Notizen» machte, in wessen Auftrag er reiste, das alles wussten die Herausgeber nicht, als sie die vor Jahren zufällig bei einer Hausratsliquidation in Lausanne gefundenen 236 engbeschriebenen Folioblätter gelesen hatten. Paul Hugger, der emeritierte Volkskundler an der Universität Zürich, musste mühsam recherchieren, um herauszufinden, dass Löhnis Rheinländer war, Sohn eines Gutsherrn auf Burg Rheindorf bei Bonn, der später in Köln ein Handelshaus führte.
Unser Autor, ebenfalls Kaufmann, interessierte sich offensichtlich für die neuen Exportmärkte in Übersee und für Auswanderungsfragen. Er hat sich später in New York und danach in London niedergelassen. Es sind weitere Erkundungsbücher von ihm bekannt: über die Vereinigten Staaten (1864/1869) und über die Levante (1882). Der farbigste, auch auf landschaftliche Schönheiten, auf das Klima, auf die sozialen und die politischen Zustände eingehende Bericht ist der hier erstmals in Zürich publizierte. Angesichts des bis in die 1920er Jahre überwiegenden Interesses an wirtschaftlicher Information über Lateinamerika ist es unerklärlich, weshalb dieser sensationelle, aus hautnaher Erfahrung entstandene Bericht bis heute nie veröffentlicht wurde. Er ist tatsächlich «ein anschauliches Dokument des langen Weges der südamerikanischen Staaten zur eigenen Identität», wie der andere Mitherausgeber, der Geograph Kurt Graf, sein Vorwort überschreibt.
Fast drei Jahre hat Löhnis' Reise gedauert, allein schon die auch nautisch gut beschriebene Segelfahrt von Le Havre nach Buenos Aires 54 Tage. Bei seinem langen Aufenthalt in Argentinien - 16 Monate - hat Löhnis sich erstaunliche Kenntnisse über die Geschichte des Landes und Einblicke in die politische Lage während der Diktatur Rosas' erworben. Dank seiner Gabe, wichtige Kontakte zu knüpfen, auch mittels einer Stafette von Empfehlungsschreiben, hat er immer wieder die richtigen Gesprächspartner gefunden. So konnte er seine Reise prompt an Bord einer Fregatte der holländischen Marine fortsetzen. Um das Kap Horn herum kam er so bis Valparaiso. Erstmals lernt er auf dem Weg nach Santiago die im Buchtitel verkündeten «Tücken des Maultiers» kennen. Ein ganzes Kapitel über die deutschen Einwanderer in Valdivia deckt den Schwindel gewisser beim Namen genannter Agenten in Deutschland und Chile auf. Im Mai 1852 reist Löhnis auf einem englischen Dampfer nordwärts weiter bis Lima und macht auch dort, gemessen an der Kürze seines Aufenthaltes, erstaunlich präzise Notizen über Land und Leute. Auf einem Küstenfahrer gelangt er über zahlreiche Stationen nach Guayaquil und - fortan auf dem Landweg - nach Quito. Die beschwerlichen Ritte durch das Hochgebirge nach Bogotá hindern ihn nicht, andauernd Historisches, Politisches und Wirtschaftliches aufzuschreiben.
Die Energie dieses reitenden Reporters muss unerschöpflich gewesen sein. Die Silberminen Kolumbiens, die Flussfahrt auf dem Río Magdalena, dann die mühselige Überquerung des Isthmus von Panama, der damals noch zu Kolumbien gehörte, das sind die weiteren Stationen. Von der Reise nach Mexiko und Kalifornien wurden nur noch die Pläne notiert. Der letzte Brief handelt von den politischen und wirtschaftlichen Zuständen in Kolumbien, von der «Untauglichkeit der Bewohner», und der Leser stellt erschüttert fest, wie zutreffend Löhnis für dieses Land jene traurige Zukunft voraussah, die inzwischen Vergangenheit und Gegenwart ist. Eine lesenswerte Publikation, nicht nur für Lateinamerika-Historiker, auch für Trekking-Liebhaber.
Gustav Siebenmann
© Neue Zürcher Zeitung