Renaissance des Goldes
Hermann Weber †
(verstorben in Zürich am 23.Juli 2005)
© 1994,2001
Eigenverlag Hermann Weber, Leonhardstr.16, 8001 Zürich. Tel.01 2615381
Alle Rechte vorbehalten
Druck: Rudolf Stegmann AG, 8143 Stallikon
Printed in Switzerland
ISBN 3-9520720-0-1
Neu-Auflage erscheint Oktober 2001
mit einigen Änderungen und 2 neuen Kapiteln - Monetarismus, Euro und Gold
- Euro, quo vadis?
Vorwort zur Neu-Auflage 2001Die Absicht des Bundesrates, die Hälfte der Goldreserve der Nationalbank zu verkaufen und den Erlös je zu einem Drittel dem Solidaritätsfonds, dem AHV-Fonds und den Kantonen zu überweisen, wird eine Schwächung des Schweizerfrankens zur Folge haben. - Es ist eine unwahre Behauptung, die Hälfte der Goldreserve genüge zur Sicherung des Schweizerfrankens. Der enorme Zustrom von Geldern aus dem Ausland seit der Schaffung des Eure und die Ungleichgewichte der weltweiten Güter- und Geldströme erfordern eine massive Aufstockung der Goldreserve der Nationalbank. Geschieht dies nicht, wird der Schweizerfranken im Sog des Eure untergehen und die Schweiz ihre Unabhängigkeit und Neutralität verlieren.
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INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT
Im Oktober 1925 gründete ich, als Schüler der dritten Primarschulklasse, mit
der Nähschachtel einer meiner beiden Schwestern eine Bank, in der ich im Laufe
der folgenden zehn Jahre hobbymässig und sporadisch das Spar- und
Kreditgeschäft betrieb. Anhand eines Fernkurses von Langenscheidt baute ich
meine Bank aus, mit Aktien und Obligationen, allerdings ohne Eintrag im
Handelsregister, war ich doch minderjährig. Ein Jahr nach Beginn meiner Lehre
auf der Zürcher Kantonalbank liquidierte ich meine Bank, die unter dem Namen
Banque de Strasbourg firmierte, und zahlte den Aktionären eine
Liquidationsdividende von 10 %. Eine Anzeige vom 15. April 1930 über die
Wiedereröffnung meines Bankgeschäftes sowie das Schlusscommuniqué vom 31.
Januar 1934 befindet sich im Anhang dieses Buches.
Das Wesen des Geldes - Hjalmar Schacht nannte es Magie - fasziniert mich
stets. Ereignisse, wie der Börsenkrach in New York im Oktober 1929, die
Abwertung des Schweizerfrankens am 26. September 1936 oder der Wertzerfall des
US-Dollars in der zweiten Hälfte des zu Ende gehenden Jahrhunderts
registrierte ich mit sorgenvollem Interesse.
Der Schweizerfranken, Symbol unserer einzigartigen demokratischen Staatsform,
steht dabei im Zentrum meiner Gedanken über Währungsfragen. In meiner Schrift
werden nicht nur einige Merkmale und Besonderheiten unseres Geldwesens
dargelegt, sondern auch einige Leitlinien für einen Ausweg aus einer ziemlich
verfahrenen Situation.
Zollikerberg, September 1994
Hermann Weber
WÄHRUNGSREFORM NACH SCHWEIZER REZEPT
Exposé vom 25. Juni 1986
Seit dem Zusammenbruch des Bretton Woods Systems im August 1971 ist bis heute
eine neue Währungsordnung auf internationaler Ebene nicht zustande gekommen.
Die Bemühungen zur Währungsreform scheiterten immer wieder an der mangelnden
Harmonisierung der Wirtschafts-, Geld- und Fiskalpolitik der Industrieländer
der freien Welt. Nur auf dem steinigen Weg einer gemeinsamen Anstrengung zur
besseren Koordination der globalwirtschaftlichen Verhältnisse wird dereinst
eine neue internationale Währungsordnung geschaffen werden können. Auf einen
einfachen Nenner gebracht, heisst das: Eine gesunde Volkswirtschaft allein
bildet die Grundlage für eine solide und dauerhafte Währungsordnung.
Angesichts der Tatsache, dass der politische Wille zur Reform des
Weltwährungssystems erst in bescheidenen Ansätzen wahrnehmbar ist und der
Reifeprozess stets neue retardierende Stadien überwinden muss, scheint es
angezeigt, unsere Währungspolitik im Blick auf Probleme der Zukunft zu
überprüfen. - Obschon Bundesrat und Nationalbank für die Erfüllung ihrer
Hauptaufgaben, nämlich den Geldumlauf des Landes zu regeln, den
Zahlungsverkehr zu erleichtern und eine den Gesamtinteressen des Landes
dienende Kredit- und Währungspolitik zu führen, ein gutes Zeugnis verdienen,
darf nicht übersehen werden, dass das Nationalbankgesetz mit den Jahren in
eine gewisse Erstarrung geraten ist und insbesondere das Instrumentarium
unserer Notenbank an Schlagkraft einiges zu wünschen übrig lässt.
So fristet die Offenmarktpolitik, die sich im Rahmen des veralteten
Nationalbankgesetzes von 1953 abspielt, auf weiten Gebieten ein eigentliches
Aschenbrödeldasein, hält sich doch der Bestand an deckungsfähigen Wertpapieren
laut Ausweis vom 20. Juni 1986 auf einem unbedeutenden Stand von SFr. 158 Mio.
und derjenige anderer Wertschriften auf SFr. 1.839 Mio.
In einer Vorlesung an der Universität Zürich hielt Dr. Fritz Leutwiler im
Wintersemester 1969/70 fest, es müsse eine Konjunkturlage abgewartet werden,
die es erlaube, durch Titelkäufe der Nationalbank ein entsprechendes
Portefeuille aufzubauen. Auch die Diskont- und Lombard-Fazilitäten werden
praktisch nur noch von den Banken zur Aufpolsterung ihrer Kassenliquidität
über Ultimo (Windowdressing) benützt. Ausserdem befindet sich der Goldhandel
der Nationalbank infolge eines völlig unrealistischen Münzfusses des
Schweizerfrankens seit 25 Jahren in einem Dornröschenschlaf.
Am gravierendsten ist wohl die fehlende Souveränität unserer Währungsbehörde
auf dem Gebiet des Wechselkurses. In Anbetracht eines überdimensionierten
Bestandes an US-Dollar in den Aktiven der Schweizerischen Nationalbank ist es
von grösster Wichtigkeit, dass unsere Notenbank mittels einer Änderung des
Goldgehaltes des Frankens wieder in die Lage versetzt wird, am Devisenmarkt
nötigenfalls mit geballter Kraft zu intervenieren um nicht in den Sog von
Währungsturbulenzen zu geraten. Die Stabilität unserer Währung mit einem
regenerierten Instrumentarium zu sichern, wird in Zukunft ebenso wichtig sein
wie die Bändigung der inflationären Bedrohung.
Wie kann die Schweizerische Nationalbank ihre stumpf gewordenen Waffen
schärfen um für die vor uns liegende Zeit besser gerüstet zu sein? Die Frage
ist leicht zu beantworten: Der Goldgehalt des Schweizerfrankens, der letztmals
vom Bundesrat am 9. Mai 1971 auf 217.592814 mgr festgesetzt wurde, muss dem
heutigen Preis des gelben Metalls auf dem freien Markt angepasst werden. Auf
diesem einfachen Weg wird unsere Notenbank nicht nur vom Todstellreflex
befreit sondern sie kann gleichzeitig das Mittel der Offenmarktpolitik wieder
wirkungsvoll einsetzen, sofern die mit der Änderung des Münzfusses geschaffene
Gelegenheit zu einer Neuordnung unserer Bundesfinanzen ausgenützt wird.
Gemäss Art. 2 Absatz 1 des Bundesgesetzes über das Münzwesen vom 18. Dezember
1970 wird die Goldparität des Schweizerfrankens vom Bundesrat nach Rücksprache
mit dem Direktorium der Schweizerischen Nationalbank festgesetzt. Wie bereits
erwähnt, beträgt diese seit 9. Mai 1971 217.592814 mgr was einem Goldpreis von
SFr. 4.595.74 pro kg entspricht. Mit diesem Betrag erscheint der Goldbestand
der Schweizerischen Nationalbank, nämlich 25.902.046 kg = SFr.
11.903.906.919.85 im Ausweis per 20. Juni 1986, d.h. unverändert seit 31.
Dezember 1977.
Um den Goldgehalt des Schweizerfrankens dem Kilopreis des Goldes auf dem
freien Markt anzupassen, der gegenwärtig rund SFr. 20.200.-- beträgt, muss
dieser von 217.6 mgr auf 50 mgr herabgesetzt werden. Damit unsere Notenbank
bei künftigen Goldpreisänderungen einigermassen manövrierfähig bleibt, sollte
der Goldgehalt vom Bundesrat nicht mehr starr auf 50 mgr festgesetzt sondern
im Rahmen von 50 - 75 mgr gehalten werden.
Durch die Neufestsetzung der Goldparität auf 50 mgr wird das Aktivum Gold in
der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank um SFr. 39.900.2 Mio. auf SFr.
51.804.1 Mio. erhöht. Diese rund 39.9 Milliarden Schweizerfranken sollten wie
folgt verwendet werden:
SFr. 24.890 Mio. (Stand Ende 1985) Übernahme der Bundesschulden durch die
Nationalbank
SFr. 8.000 Mio. Rückstellung für den Zinsendienst auf der Bundesschuld
SFr. 4.000 Mio. Rückstellung für Offenmarktoperationen
SFr. 3.000 Mio. Rückstellung für Bewertungskorrekturen auf dem Goldbestand
Nach erfolgter Übertragung von rund 25 Milliarden Schweizerfranken an den Bund
als Gegenwert der übernommenen Staatsschulden ergeben sich folgende
Veränderungen in der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank:
Aktiven: Gold SFr. 51.8 Milliarden (bisher SFr. 11.9 Milliarden)
Passiven: Bundesschuld SFr. 25 Milliarden
Rückstellungen SFr. 26.3 Milliarden
(bisher SFr. 11.3 Milliarden)
Die Golddeckung der im Umlauf befindlichen Noten und der täglich fälligen
Verbindlichkeiten, SFr. 32.742.4 Mio. per 20.06.1986, würde alsdann 158.2 %
betragen. Aufgrund dieser soliden Basis dürfte die Tatsache, dass die
Herabsetzung des Goldgehaltes von 217.6 mgr auf 50 mgr eine Abwertung des
Schweizerfrankens um 77 % bedeutet, in den Hintergrund treten, dies umso mehr
als der Schweizerfranken dank gesunder politischer und wirtschaftlicher
Verhältnisse stark ist und gerade durch eine richtungsweisende
Strukturveränderung an Ansehen noch gewinnen kann.
Hinzu kommt noch eine Gesundung unserer Staatsfinanzen. Mit der Übernahme der
Staatsschuld durch die Schweiz. Nationalbank wird die Eidgenossenschaft von
der Zinsverpflichtung (1985: SFr.1.046.5 Mio.) entbunden, was zur Folge hat,
dass statt einem Staatsdefizit, das im Jahre 1985 SFr. 1.061.4 Mio. betrug,
der Rechnungsabschluss des Bundes wieder ausgeglichen sein wird. Es bedarf
wohl keiner Begründung, denn es sollte jedem vernünftigen Zeitgenossen klar
sein, dass die so herbeigeführte Sanierung des Bundesfinanzhaushaltes nicht
eine Ausgabefreudigkeit, geschweige denn eine neue Schuldenwirtschaft auslösen
darf, im Gegen-teil. In Zeiten einer prosperierenden Wirtschaft sollte der
Staatshaushalt wie anno 1954 - 1974 jährlich mit einem Überschuss
abschliessen.
Dank einer grösseren Aktionsfähigkeit wird die Nationalbank das
Offenmarktgeschäft wieder vermehrt betreiben und im Verein mit Goldkäufen und
Verkäufen eine noch effizientere Geldpolitik verfolgen können. Dabei gilt es
zu bedenken, dass die für binnenwirtschaftliche Zwecke eingesetzte
Währungspolitik ohne Rücksicht auf aussenwirtschaftliche Zusammenhänge früher
oder später scheitern würde. Die Auswirkungen der dargelegten Umstrukturierung
müssen bereits von jetzt an, also vor deren Durchführung täglich wie mit einem
Seismograph gemessen werden, um allenfalls nötige flankierende Massnahmen zur
Neutralisierung von Störfaktoren unverzüglich treffen zu können.
Die jüngste Vergangenheit hat uns gezeigt, auf welch' brüchigem Fundament der
Dollar basiert. Es ist Fachleuten, die mit Währungsfragen vertraut sind, ein
Rätsel, wie ein Land 27.05.01mit schwerwiegenden monetären Problemen und
jahrelangen, stets wachsenden enormen Haushaltsdefiziten wie die USA ohne
Deflation oder Abwertung auskommen kann. Es ist deshalb ein Gebot der Stunde,
unsere Währung vor schädlichen Einflüssen zu bewahren und vollständig autonom
die Geschicke unseres Schweizerfrankens zu lenken. Auch wenn unser Land im
internationalen Währungskonzert eher bescheiden auftritt, wird unser Beitrag
in Form einer erfolgreichen und zukunftsorientierten Geld- und Währungspolitik
weltweite Beachtung finden.
Die Durchführung der vorgeschlagenen Währungsreform wurde - wie aus dem
Schreiben des Vorstehers des Eidgenössischen Finanzdepartements, Herrn
Bundesrat Otto Stich, vom 28. Juli 1986 hervorgeht - verpasst.
Brief 28.7.86
Die Bundesschuld ist im Laufe der letzten acht Jahre von 25 auf 70 Milliarden
Schweizerfranken gestiegen. Gleichwohl ist eine Änderung des Münzfusses des
Schweizerfrankens dringend geboten. Damit unsere Notenbank bei künftigen
Goldpreisschwankungen einigermassen manoverierfähig bleibt, sollte der
Goldgehalt des Frankens, wie in meinem Exposé vom 25. Juni 1986 erwähnt, nicht
starr auf 50 mgr festgesetzt, sondern im Rahmen von min. 50 und max. 75 mgr
gehalten werden. Demzufolge ist Art. 1 des Bundesratsbeschlusses über die
Festsetzung der Goldparität des Schweizerfrankens wie folgt zu fassen: Der
Schweizerfranken hält sich zwischen 1/20 (0,050) Gramm Feingold und 1/1333
(0,075) Gramm Feingold. Ein Kilogramm Feingold entspricht daher SFr. 13.333.33
bis SFr. 20.000.--. - Der Goldbestand soll von der Schweizerischen
Nationalbank jeweils per Jahresende aufgrund des Goldpreises im Dezember
bilanziert werden.
RÜCKKEHR ZUM GOLDSTANDARD
Im Juli 1944 wurde in Bretton Woods, USA, das Währungssystem der
Nachkriegszeit aus der Taufe gehoben. Neben der Errichtung eines
Internationalen Währungsfonds mit einem Kapital von 8,8 Milliarden US-Dollar
und der Gründung der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
(Kapital 9,1 Milliarden US-Dollar) wurde die Konvertibilität der wichtigsten
Währungen in Gold oder in Gold konvertierbare Dollar auf der Basis von
US-Dollar 35.--/1 Unze Gold eingeführt. Der Dollar übernahm dank einer starken
Regierung und einer soliden Wirtschaft die Funktion einer Leit- bezw.
Reservewährung. Die Jahrzehnte der Prosperität und relativen Preisstabilität
neigten sich in der Folge dem Ende zu, weil die Regierung in Washington mehr
und mehr die volkswirtschaftlichen Gesetze missachtete. Die Ausgaben des
Staates überstiegen die Einnahmen in immer grösserem Ausmass: Ein
übertriebenes Deficit spending machte sich breit. Am 15. August 1971 hob
Präsident Nixon die Konvertibilität des Dollars in Gold auf. Das
Währungssystem brach kurz darauf zusammen. Die interne Verschuldung des
Staates nahm rapid zu und erreicht heute 4.500 Milliarden US-Dollar. Hand in
Hand mit dieser Entwicklung ist USA mit 555 Milliarden US-Dollar heute die
grösste Schuldnernation der Welt.
Wir befinden uns heute am Rand einer globalen Währungskrise, die zu vermeiden
höchstes Gebot ist. Der Zusammenbruch des Geldwesens kann nur ausgeschlossen
werden, indem die wichtigsten Länder zum Goldstandard zurückkehren. In diesem
Sinne gelangte ich an unsere Bundesbehörde und an die Nationalbank.
(Brief 19.1.93)
(Brief1.2.93.S.1)
(Brief 1.2.93 S.2)
(Brief 28.6.93)
(Dictionnaire)
(Brief 9.8.93)
(Brief 6.9.93)
Wohl haben sich die Verhältnisse geändert, doch die Warnung Prof. Büchner's
vor dem Wertzerfall des Papiergeldes ist heute nicht nur immer noch
berechtigt, sondern hat an Gewicht zugenommen. Wir haben neue Währungsunruhen
erlebt, das Europäische Währungssystem ist im vergangenen Jahr aus den Fugen
geraten, der Maastricht-Vertrag, Herzstück einer Europäischen Währung, ist
nach Dr. Fritz Leutwiler klinisch tot, an den Effekten- und Devisenbörsen
treten stets neue Turbulenzen auf und der Krebsgang des US-Dollars setzt sich
fort, wenn USA nicht ihre Wirtschafts- und Währungspolitik ändert. In
einzelnen Ländern kommt es zu einem Vertrauensbruch, der sich dadurch
manifestiert, dass Staatspapiere verkauft, Bundessteuern nicht mehr bezahlt
werden, eine Kapitalflucht einsetzt und Sachwerte, darunter auch Edelmetalle,
anstelle von Geldwerten gekauft werden. Die Notenbanken versuchen diese
Entwicklung aufzuhalten, indem sie dem Volk weismachen, Preisstabilität habe
erste Priorität, obschon der Wert des Geldes unaufhörlich - zuweilen etwas
stärker, manchmal etwas weniger rapid - sinkt. Wenn Gold erworben wird, nicht
zu Anlage- oder Spekulationszwecken sondern zur Werterhaltung des Vermögens,
muss die Notenbank diesem Vorgang die Spitze brechen. Es darf nicht zu einer
starken Goldpreiserhöhung kommen. - Wie kann die Notenbank ihre Aufgabe als
Hüterin der Währung erfüllen? Im Verein mit der Landesregierung muss sie
darnach trachten, mit allen Kräften und Mitteln die Währung zu stärken und
gesund zu erhalten. Welches sind die Merkmale einer gesunden Währung? Sie
lassen sich mit einigen Stichworten aufzählen:
• Geld, das international als Zahlungsmittel akzeptiert wird
• Eine konvertible Währung mit einer stabilen Kaufkraft
• Eine Währung, die durch Gold oder andere zeitlich und räumlich unbegrenzt
handelbare, wertbeständige Sicherheiten gedeckt ist.
Ursache und Wirkung einer gesunden Währung:
• Liberale Regierung mit einer starken Führungsspitze
• Effiziente, fortschrittliche und unabhängige Politik der Notenbank
• Ausgeglichene politische, soziale und wirtschaftliche Verhältnisse
• Geordnetes Spiel von Angebot und Nachfrage
• Arbeitsames, gut ausgebildetes Volk
• Rege Spartätigkeit
• Keine monetären Experimente à la Keynes oder Friedman
• Normale Bevölkerungsstruktur
• Hoher Deckungsgrad Import/Währungsreserven
• Wachsende Gläubigerposition gegenüber dem Ausland
• Niedere Inflationsrate
• Mässige Staatsschuld
• Überschuss der Staatsrechnung
• Positive Zahlungs- und Leistungsbilanz
• Niederes Zinsniveau
• Keine Devisenrestriktionen
Diese Liste stellt - auch ohne Anspruch auf Vollständigkeit - ein Optimum dar.
Weniger grosse Errungenschaften in der einen oder anderen Sparte will nicht
heissen, dass die Währung nicht gesund ist. Entscheidend ist der Wille, nicht
nachzulassen in den Anstrengungen zur Erhaltung des weltweiten Ansehens des
Schweizerfrankens.
DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBANK, HEUTE
- MORGEN
Verfolgt man als Beobachter die Geschäftstätigkeit der Nationalbank so kann
man feststellen, dass trotz der Betriebsamkeit auf vielen Gebieten und einer
intensiven Rhetorik der Führungsspitze an manchen Orten eine gewisse
Verknöcherung die Gestaltung unserer Währungspolitik hemmt. Die soll
keineswegs als Vorwurf gedeutet werden, ist doch unser Land eingebettet in das
weltweite System der Währungsordnung, besser gesagt, der Währungsunordnung.
Der Weg in eine bessere Zukunft ist seit langem versperrt weil es unmöglich
ist, mit sanierungsbedürftigen Partnern eine neue Währungsordnung aufzubauen.
Unsere Notenbank setzt sich, wie der Bundesrat, zum Ziel, dereinst bei der
Europäischen Zentralbank mitzumachen und verschliesst sich dabei den immer
stärker wahrnehmbaren Hindernissen, welche die Schaffung einer einheitlichen
Währung verunmöglichen, werde sie nun ECU oder anders benannt.
Es ist deshalb angezeigt, eigene, neue Wege zu prüfen, mittels Neuerungen die
Goldreserven zu aktivieren, einfach ausgedrückt: Ein Teil des Goldes der
Nationalbank soll nicht im Tresor regungslos verharren, sondern arbeiten. Von
den Möglichkeiten, das Gold zu aktivieren, sind in erster Linie fünf Fragen zu
prüfen:
1. Emission einer Bundesanleihe von einigen Milliarden Franken mit einem
Zinsfuss von 2% p.a., rückzahlbar nach 5 - 8 Jahren in bar oder in Gold auf
der Basis von SFr. 16.000.-- pro Kilogramm Feingold.
2. Wiederaufnahme des Goldhandels und aktiver Käufer von Gold anderer
Notenbanken mit US-Dollar zu Marktpreisen.
3. Beteiligung an 1 oder 2 Goldminen-Gesellschaften zwecks Sicherstellung
preisgünstiger Goldeinkäufe mittels Options-Lieferverträgen.
4. Massnahmen zur Verhinderung massiver Verkäufe von Staatspapieren, wie dies
anfangs Juli dieses Jahres in Schweden passierte.
5. Sicherstellung der Aufnahme-Bereitschaft und -Willigkeit des Marktes bei
künftigen Emissionen von Bundesanleihen.
Unsere Notenbank leidet darunter, dass sie nicht wie ein grosses Unternehmen
der Privatwirtschaft geführt wird (oder werden kann). Bei allen
Staatsbetrieben fehlt der stimulierende Wind der freien Konkurrenz. Es bringt
nicht viel, den Vergleich anzustellen, die eine Notenbank mache die Sache
besser als die andere, denn die Zusammenarbeit der Notenbanken hindert
geradezu ein einzelnes Mitglied dieser Gemeinschaft, eigene bessere Wege
einzuschlagen. Die Solidarität ungleicher Partner bewirkt unweigerlich eine
Nivellierung, d.h. der Schwächere profitiert auf Kosten des Stärkeren.
Die grössten Feinde eines Unternehmens, bezw. eines Unternehmers sind
wachsende Bürokratie, Furcht vor Veränderungen und Angst vor Reformen. Als
Leitmotive könnten in jedem Direktionsbüro die Sprüche prangen: Mehr
Unternehmer, weniger Beamter, oder: Nicht nachahmen, sondern besser machen. -
Noch etwas: Bei den Anträgen und Beschlüssen des Direktoriums der
Schweizerischen Nationalbank sollte der Bankausschuss, der aus
hochqualifizierten Fachleuten aus Handel, Industrie und Gewerbe inklusive
Banken zusammengesetzt ist, in stärkerem Masse mitwirken, wobei eine enge
Kooperation dieses Gremiums mit der Nationalbankleitung nur nützen kann.
Ebenso fruchtbar erweist es sich, wenn die Mitglieder des Direktoriums jede
Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit führenden Leuten unserer Wirtschaft so
häufig wie möglich ergreifen. Ein gutes, breitabgestütztes Einvernehmen mit
allen Schichten unseres Volkes sichert die gedeihliche Entwicklung der
Nationalbank.
ERFAHRUNGEN ALS FINANZBERATER DER
SOWJETUNION
Die Zeit der Perestroika und Glasnost war angebrochen, als ich im Spätherbst
1989 mit einem Brief an Finanzminister Gostev gelangte. Meine Anregung, die
Frage der Zukunft des Rubels zu besprechen, fand erst nach vielen Wochen
Gehör, indem ein Mitarbeiter der Gesandtschaft in Bern eingeschaltet wurde. -
Die vielen Besprechungen in den Jahren 1990 - 1992 waren den Reformen
gewidmet, die in der Sowjetunion unter schwierigsten politischen und
wirtschaftlichen Verhältnissen eingeleitet wurden. Es galt, nicht nur im
Innern des auseinanderbrechenden Imperiums, sondern auch im Verkehr mit den
Völkern der ganzen Welt die Hindernisse, Spannungen und Gegensätze zu
überwinden.
Die Inflation in der Aera Gorbatschow hatte katastrophale Ausmasse angenommen.
Es war denn auch mein Ziel, Mittel und Wege vorzuschlagen um die Währung zu
sanieren. Dabei war mir klar, dass der Rubel dem Untergang geweiht war. Ein
totaler Wertzerfall der Währung erschien mir unvermeidbar, bildete aber auch
die Voraussetzung für einen neuen Rubel, der im In- und Ausland als
Zahlungsmittel allgemein akzeptiert wird.
Mein ursprünglicher Plan, dieses Ziel durch einen Währungsschnitt und
Einführung der Konvertibili-tät des Rubels in Gold zu erreichen, wurde durch
die politische und wirtschaftliche Krise zunichte gemacht. Auch stellte es
sich heraus, dass die Grundlagen für eine Währungsreform fehlten. Von den
unbekannten Faktoren zur Wiederherstellung des Vertrauens in den Rubel seien
nur zwei Beispiele erwähnt: Eine verlässliche Angabe über den Geldumlauf in
der Sowjetunion war von der Notenbank in Moskau nicht erhältlich. Schlimmer
noch war die Tatsache, dass das Land plötzlich einen Goldbestand von wenigen
Hundert Tonnen statt der offiziell publizierten rund 3.000 t meldete.
Die Verbindung mit dem Finanzminister der Sowjetunion und später der GUS, der
übrigens innert knapp drei Jahren dreimal wechselte, ging mit der Rückkehr
meines Gesprächspartners nach Moskau zu Ende. Als einziges positives Ergebnis
meiner Beratung werte ich die anfangs 1994 durchgeführte Emission russischer
Staatsschuldverschreibungen, rückzahlbar nach einem Jahr in Gold. Auch
bekundet die Russische Notenbank neuerdings grösseres Interesse an einer
Rückeroberung der früheren Position als Goldproduzent. Russland kann sich
wieder Geltung verschaffen, indem es die riesigen Bodenschätze ausbeutet und
mit einem in Gold konvertierbaren Rubel vermarktet.
Die einsetzende engere Bindung der abtrünnigen Republiken an Russland kündigt
eine neue Russische Union an. Gold, als Fundament der Währung, wird seinen
dominierenden Platz im Geldwesen - wenn vielleicht auch erst nach dem
vorprogrammierten Misslingen eines neuen Währungssystems à la Maastricht
und/oder einem grossen Finanzdebakel - zurückgewinnen.