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Gemütliche Bierecke in Scarborough auf Tobago

Mayaro:
Karibik-Idylle bei Mayaro an der Ostküste Trinidads

Stelzenhaus:
Stelzenhäuser in tropischer Vegetation in Basse Terre, Trinidad

Neugierde:
Unser Landcruiser ist auch beim Maracas-Aussichtspunkt die Attraktion

Traditionelle afrikanische Kostüme am Emancipation Day in Port of Spain am 1. August


St. George's/Grenada, 20.8.03

Lieber Herr Maissen,

Endlich, nach elf Wochen, haben wir den Absprung von Trinidad & Tobago geschafft. Hauptgrund unseres ausgedehnten Aufenthaltes war die harzige Getrieberevision: Aus einer Woche wurden zwei, dann vier, dann sechs!
Genau solange hat es nämlich gedauert, bis unser aufgebockter Toyota wieder auf seinen eigenen Rädern stand. Bei der Reparatur stellte sich leider heraus, dass der eigentliche Hauptlärm nicht vom Getriebe selbst, sondern vom Differential stammte. Die beiden Lager zur Kardanwelle waren total ausgeleiert, und die kleinen Zahnräder hatten schon fast
keine Zähne mehr - Kunststück nach 582'000 km (anscheinend fallen dem Differential im Alter auch die Zähne raus!). So mussten weitere Ersatzteile gesucht und eingeflogen werden, was natürlich die Sache immer wieder verzögerte. Dazu kam das für diese Hemisphäre normale, für uns aber ungewohnt langsame Arbeitstempo sowie die Tatsache, dass wir nicht
auf der "Prioritäten-Reparaturliste" standen, weil uns die Arbeit nicht verrechnet wurde, nur die Ersatzteile. So standen wir immer wieder hinten an.

Die erste Zeit haben wir all die Annehmlichkeiten eines klimatisierten Hotelzimmers, in welches uns die Toyota für 47 Tage steckte, natürlich sehr genossen. Doch nach und nach fiel uns das "Dach auf den Kopf". Ohne Auto konnten wir nicht viel unternehmen. Zum Laufen war es tagsüber zu heiss, und nachts zu gefährlich. Die begonnene Regenzeit brachte dann gottlob etwas Abkühlung. Schwere, kurze Regenschauer sind nun an der Tagesordnung, und tropische Stürme brauen sich immer häufiger zusammen, denn wir stecken mitten in der Hurrikan-Saison. Das bestätigen auch die vielen Segelboote, die täglich in den geschützten, sicheren Hafen einlaufen und das Ende dieser für sie gefährlichen Saison abwarten.

Nach der wochenlangen Immobilität waren wir froh, unseren aufgestauten Tatendrang wieder voll ausleben zu können. Wir besuchten den Rest der Insel. Weite Sandstrände und dichter Regenwald wechseln sich stetig ab. An der hügeligen, tief bewaldeten und von Wellen umtosten Nordostküste von Toco bis Matelot, wo dann die Strasse bis Blanchisseuse leider unterbrochen ist, gefiel es uns am besten. Dort ist es noch am ursprünglichsten - man fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt: Ein paar Stelzenhäuser mit vielen dekorativen Töpfen und leuchtenden Pflanzen in dichter Vegetation und eine handvoll einfache Fischerbehausungen der Küste entlang, sonst Natur pur. Kein Wunder, dass sich die
Riesenschildkröten "Leatherback" auch diese wilde Küste zum Eierlegen ausgesucht haben. Aber auch die Ostküste mit den riesigen Palmenplantagen bei Manzanilla war sehenswert. Allerdings türmt sich dort auch viel störender Unrat. Trinidad selbst ist keine Touristendestination, man lebt vom Öl und vom Asphalt. Das Phänomen, welches die Trinis zu den sieben Weltwundern zählen, heisst "Pitch Lake". Er ist 41 Meter tief und liefert ununterbrochen schwarzen Asphalt. Viele Strassen wurden von dieser nie versiegenden Quelle gebaut. Für das Auge ist er eine totale Enttäuschung. Der Teich ist nicht grösser als ein Fussballplatz und jetzt, in der Regenzeit, wo er mit Wasser bedeckt ist, weist nichts auf diese Besonderheit hin.

Was uns aber an Trinidad am meisten faszinierte, sind die ethnischen Gegensätze. So fühlte man sich an der Ostküste mal nach Indien, mal nach Afrika versetzt. Nach Indien wegen all der farbigen Gebetsflaggen der Hindus, die überall im Wind flattern, sei es vor Häusern oder gruppenweise dem Meeresufer entlang. Nach Afrika wegen der häufigen farbenfrohen Taufen der Baptisten afrikanischer Abstammung, die sich in ihren traditionellen, farbenfrohen Kostümen zu Taufzeremonien an Stränden einfinden.

Auch Tobago, die Robinson Crusoe-Insel und Geburtsort von Harry Belafonte, haben wir besucht. Der Legende nach soll die Schweizer Familie Robinson nach einem Schiffbruch dort gestrandet sein. Anders als Trinidad, ist das
Leben auf der 300 km2 grossen, Insel viel ruhiger, entspannter, sauberer und sicherer. Eine Bilderbuch-Bucht nach der anderen säumt die Küste, die mit steilen Felsabschnitten abwechselt. Eine verträumte Bucht ganz für sich zu haben, ist keine Seltenheit, denn der Tourismus hält sich in Grenzen und beschränkt sich hauptsächlich auf den Südwestzipfel. Tobago scheint uns für einen entspannenden Badeurlaub durchaus empfehlenswert. Viele kleine Hotels sind über die ganze Insel verstreut. Zwar sind sie nicht gerade billig; doch Apartments mit Küche soll man noch für US$35 pro Tag kriegen. Die Insel ist sehr hügelig und sehr grün, und auf der stetigen Berg- und Talfahrt gibt sie immer wieder neue, faszinierende Ausblicke auf abwechslungsreiche Küstenabschnitte frei.

Etwa 80% der gesamten Zeit in Trinidad investierten wir in die Logistik für unsere geplante Kreuzfahrt mit unserem Landcruiser durch die Windward-Inseln. Es war ein ständiges Auf und Ab. Oft standen wir mit all unseren umfassenden Abklärungen vor einer undurchdringlichen Wand, wenn Touristenministerien und Schiffahrtslinien, die wir anschrieben,
weder auf Emails noch auf Fax reagierten und wir einfach keine Fortschritte erzielten. Zwar gab es zwischendurch wieder mal Durchbrüche; doch dann tauchten wieder neue Probleme auf und das ganze Projekt hing wieder in der Luft. Es
war frustrierend. Erschwerend war auch, dass uns ein fester "Arbeitsplatz" fehlte. Und immer auf öffentliche Telefonkabinen - ohne Telefonieren läuft gar nichts - angewiesen zu sein, war auch recht umständlich. Entweder sind sie an verkehrsreichen, lärmigen Strassen gelegen oder sind defekt. Doch nach hartnäckigem Kampf, viel Geduld
und Initiative trugen unsere unermüdlichen Bemühungen doch noch Früchte: Die Touristenministerien von Grenada, St. Vincent, St. Lucia, Dominica. Barbados, St. Kitts und Jamaika wollen uns nun die temporäre Einfuhr des Autos erleichtern und auf die Hinterlegung einer sonst unumgänglichen Garantie verzichten. Denn jede noch
so kleine Karibikinsel will normalerweise einen "Bond", um sicherzustellen, dass das Auto die Insel auch wieder verlässt. Auch mit Fähren und kleinen Frachtern sind wir für gewisse Teilabschnitte ein Stück weiter gekommen. Noch fehlt uns die Verbindung von St. Lucia nach Martinique. Doch wir sind zuversichtlich, dass wir an Ort und Stelle auch dafür noch eine
passable Lösung finden werden. Es zeigt sich immer wieder, dass sich vor Ort meistens neue Möglichkeiten öffnen.

Die lange Warterei hatte aber auch etwas Positives. So kamen wir am 1. August in den Genuss der Feier des "Emancipation Day", der uns einmal mehr ins tiefste Afrika versetzte. An diesem Tag, am 1. August 1834, hat das Britische Parlament beschlossen, die Sklaverei abzuschaffen, was nun jedes Jahr von den Nachfahren afrikanischer Sklaven mit einem ausgelassenen Fest gefeiert wird. Von überall her kommen sie zu Tausenden mit ihren traditionellen, farbenprächtigen Kostümen zum grossen Umzug in Port-of-Spain angerauscht. Man kann sich an all den satten Farben und kunstvollen Kopfbedeckungen kaum satt sehen. Nicht einmal auf dem Schwarzen Kontinent selbst haben wir eine solch umwerfende Vielfalt an Kostümen gesehen, als die tanzende und singende Menge begleitet von rhythmischen Trommelschlägen der Pan-Bands langsam durch den Independence-Square zog. Eine Steelband besteht
übrigens aus rund 100 Trommlern, die je wiederum auf bis zu 6 Pans (Ölfässern) spielen, und zwar in einer Lautstärke, dass es einem förmlich vom Hocker reisst. Es war ein unvergessliches Erlebnis und ein krönender Abschied von Trinidad & Tobago.

Am Abend feierten wir zusammen mit vielen andern Schweizern auch noch unseren Nationaltag im blumenreichen Garten der Villa unserer Honorargeneralkonsulin. Die übertragene 1. Augustrede von Präsident Couchepin und unsere Nationalhymne vermittelten gerade den richtigen Rahmen.Es kamen an die 70 Schweizer und Schweizerinnen, meistens Mischehen. Der interessanteste Gast war ein Walliser Erzbischof, der den Papst schon auf 45 seiner vielen Reisen begleitete und zuletzt ein paar Jahre in Burundi verbrachte; der wichtigste (für uns) der Immigrationschef, der uns
gleich offerierte, unsere Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Nein, elf Wochen reichen uns, obschon wir uns unter diesen gastfreundlichen, enthusiastischen Menschen durchwegs sehr wohl gefühlt haben.Dem Zufall und den fasnachtsverrückten Trinis haben wir es zu verdanken, dass wir schlussendlich sehr günstig Grenada, unsere nächste Karibikinsel, anlaufen konnten. Die Kapitäne der kleinen Frachter, die wir über Wochen im Hafen von Port-of-Spain immer wieder ansprachen, sind alles Halsabschneider. Es war von US$1100 bis US$1500 für diese kurze Überfahrt die Rede - für unsere Verhältnisse total illusorisch. Es war dann auf unserem Lieblingsplatz im Fort George, als wir eines Morgens beim Radiohören rein zufällig von der Partyfähre Wind kriegten, die am 9. August zum Besuch des Karnevals in Grenada auslief. Sofort machten wir uns auf die Socken und stürmten zum Chef der Fastnachtsorganisation Pan-Trinbago, der zu diesem Anlass die komfortable Autofähre "MV Panorama" gechartert hatte, die uns kürzlich auch von Trinidad nach
Tobago brachte. Und siehe da, wir stiessen bei Patrick Arnold auf offene Ohren. Ausnahmsweise willigte er ein, nebst den Passagieren auch unseren Landcruiser an Bord zu nehmen - nebst den Ölfässern der Steelbands die einzige Fracht! Wir brauchten lediglich zwei normale Tickets für uns zu kaufen, das Auto war gratis. So waren wir am 9. August auf der 6-stündigen Überfahrt von Trinidad nach Grenada auch unter den 600 glücklichen Ausflüglern, die sich mit Kalypso-Musik, viel Rum und Bier bereits an Bord auf den Karneval einstimmen liessen, der dann nonstop vier verrückte Tage und Nächte lang weiter tobte. Aber mehr darüber im nächsten Bericht.

Hier noch einige Abschluss-Bilder von Trinidad & Tobago.

Wir hoffen, dass Sie die in Europa anhaltende Hitzewelle gut überstehen und bei Ihnen alles rund läuft.

Herzliche Grüsse an Sie und Ihre Familie


Liliana & Emil Schmid

 


 

Carenage:
Attraktive Hafenfront der Hauptstadt St. George’s
 

Hafenfront:
Fischerbote und Karnevalsstimmung an der Hafenfront „The Carenage“
 

Abendstimmung:
Jachthafen von St. George’s in der vielfältigen Pracht einer tropischen Abenddämmerung
 

Muskatnuss:
Muskatnuss, das Hauptexportgewürz der „Gewürzinsel“ Grenada
 

Kingstown/St. Vincent, 17.9.03

Hallo Herr Maissen

Ihre Ferien in Südfrankreich gehören auch schon wieder der Vergangenheit an. Doch die nächsten in Ägypten stehen ja auch schon bald bevor. Schon  jetzt wünschen wir Ihnen und Ihrer Familie eine erlebnisreiche Zeit in diesem wunderbaren Land, das wir Mitte September bis Mitte November 1989 ausgiebig  bereisten und von dem wir nur positive Erinnerungen davongetragen haben.

Wir sind nun seit unserem letzten Brief wieder einen Schritt, d.h. eine Karibik-Insel, weiter gekommen. Schon in Trinidad haben wir uns bei der Planung unserer Karibik-Kreuzfahrt immer wieder gefragt, ob uns all die vielen Windward-Inseln wohl viel Neues bieten oder ob wir sie als sehr ähnlich empfinden werden, nämlich kleine Inselparadiese mit türkisfarbenem Meer, perlweissen Sandstränden und sich im Wind wiegenden Kokospalmen. Nun, Grenada, die "Spice Island" erfüllt neben all diesen Voraussetzungen doch noch einiges mehr: Genau zu Beginn des Karnevals liefen wir am 9. August von Trinidad  kommend die Hauptstadt St. George's mit der "MV Panorama" an, die sonst zwischen Trinidad und Tobago hin- und herpendelt. Es war gegen Abend, als unser erster Blick an der attraktiven Hauptstadt Grenada's
hängen blieb, die sich im sanften Abendlicht in ihrer vollen Schönheit präsentierte: Am Fusse satt grüner Hügel ziehen sich pastellfarbene Handelshäuser aus dem 19. Jh. einer hufeisenförmigen Bucht und dem Hügelzug entlang. Dahinter ist üppiges Grün in allen Nuancen bis hinauf in die höchsten Bergkämme. Pittoreske Fischerbote und Yachten aller Herren Länder ankern in der stillen Bucht. Beim faszinierenden Anblick können wir uns lebhaft vorstellen, dass dieser Hafen, "The Carenage" genannt, seinem Beschrieb, der schönste aller karibischen Häfen zu sein, gerecht wird. Uns jedenfalls
hat er auf Anhieb begeistert.

Mit dem Zoll lief es dann nicht ganz so flott wie erhofft. Das Regierungs-Kabinett hatte ja die taxfreie Einreise unseres
Landcruisers bewilligt, und eigentlich hätte uns der Hafenzoll noch am Ankunftstag abfertigen sollen. Aber eben, die Mitteilung von unserer Ankunft gelangte nicht bis zu den Hafenbehörden. Und zudem war es Samstag und Beginn des jährlichen Karnevals, also lief nichts mehr. Immerhin durften wir zwischen den schützenden Containern im Hafengelände im Auto schlafen, und die Hafenpolizei offerierte uns ihre eigenen Duschen. Die Immigrationsformalitäten konnten wir auf der Überfahrt schon an Bord der "Panorama" erledigen, so stand uns selber nichts im Weg, das Hafengelände zu Fuss zu verlassen. Wenn wir nun zurück blicken, so war unser Zwangsnachtplatz gar nicht mal so schlecht, denn er war sicher und
geschützt und wir hielten uns mitten im fastnächtlichen Geschehen auf - die Fastnachtsumzüge, begleitet von pulsierenden Klängen der Calypso-Steel-Bands, rollten sich täglich 24 Stunden unmittelbar vor uns ab. Wir liessen uns von der unüberschaubaren Menschenmenge mitreissen, die tanzend durch die Strassen zog. Es gab Momente, da hätte kein Nadelöhr mehr Platz gehabt. Was uns aber am meisten begeisterte, war die ausgelassene Lebensfreude der Menschen und all die farbenfrohen Kostüme, die sich puncto Motive und Ideenreichtum übertrafen - unsere Mavica Fotodigitalkamera lief jedenfalls auf Hochtouren!

Am ersten Arbeitstag nach dem überschäumenden Karneval klappte dann die Auslösung unseres Landcruisers erstaunlich einfach und schnell. Innert zwei  Stunden verliessen wir den Hafen, nachdem man uns vorher im "Licensing  Department" - dem Strassenvekehrsamt - ein hiesiges gelbes Schild mit der Nummer V1 = "Visitor 1" zuteilte. Wir sind ganz stolz auf diese Zahl - sind wir doch hier die ersten Besucher mit einem eigenen Auto! Das Interesse blieb dann nicht aus, und innert kürzester Zeit lernten wir Segler aus Frankreich, Kanada und der Schweiz kennen, die in den sicheren Häfen das Ende der Hurrikane Saison im November abwarten. Es ist übrigens interessant festzustellen, dass es nebst den wirklichen Seglern auch die Hänger gibt - diejenigen, die sozusagen ihren Lebensabend auf ihrem Schiff auf dem Wasser verbringen, denn ankert man draussen, kostet es nichts. Vielleicht verschieben sie sich mal zu einer Nachbar-Insel. Deshalb sieht man vor allem in der Hauptstadt viele Weisse, zum Teil auch abgewrackte Typen, sei es in den Supermärkten, in den Internet-Cafés oder dem Hafengelände entlang. Wir können uns das Chaos kaum vorstellen, wenn ab November die grossen Kreuzer wieder anlegen und auf einen Schlag bis zu 3000 Passagiere pro Schiff ausspucken werden, die dann die engen, steilen Strassen des 4'500 Einwohner zählenden Städtchens überfluten. Und eng und sehr steil sind sie, die wenigen Strassen St. George's, durch die sich nebst der Menschen allzuviele Autos, vor allem Taxibüsschen, einen Weg bahnen. Ein neues, unseres Erachtens überdimensionales Cruise-Ship Terminal ist jetzt im Bau. Wie wir dem Bauplan entnehmen, sollen nachher drei dieser gigantischen Kreuzschiffe gleichzeitig anlegen können - unvorstellbar, aber Grenada lebt neben den Muskatnüssen und einigen Bananen hauptsächlich vom Tourismus.

Schön ist sie, die gebirgige Insel, die uns jetzt in der Regenzeit wie ein einziger üppiger Park mit wundervollen exotischen Pflanzen, Sträuchern und Obstbäumen vorkommt. Jetzt blüht alles und jegliches, und man findet alles im Übermass: Nutmeg (Muskatnuss), wofür die "Spice Islnd" vor allem bekannt ist, aber auch Zimt, Brotfrucht, Mango, Grapefruit, Orangen, Guavas - die Früchte wachsen einem förmlich in den Mund. Eingebettet in das üppige Grün sind einfache Holzhäuser, aber auch viele luxuriöse Villen. Wo immer man durch diese einzigartige Tropenwelt fährt, sei es der Küste entlang mit den Bilderbuch-Buchten, im Landesinnern mit Kraterseen und Wasserfällen, es ist sehr kurvig und sehr eng.

Die meiste Zeit haben wir uns im Nordosten in der Nähe der Bathway Beach aufgehalten. Denn das Glück wollte es, dass wir dort auf einem Hügel mit 360° Rundsicht in eine leerstehende Villa mit grossem Garten einziehen konnten. Der Blick von der Dachterrasse aus reichte von den bewaldeten Bergen bis zu den Grenadine Inseln. Besonders schön waren
immer die Sonnenuntergänge, vor allem, wenn die sich wie Berge türmenden Cumulus-Wolken von den letzten Sonnenstrahlen angeleuchtet wurden. Aber dieses kleine Paradies hatte leider auch eine nervige Negativseite: Unzähligen Moskitos und Blackflies plagten uns Tag und Nacht - so trennten wir uns nach zwei Wochen von dieser Idylle weniger schweren Herzens.

Viele Kilometer konnten wir auf Grenada nicht sammeln. Die Insel ist nur 311 km2 gross und zählt 98'000 Englisch sprechende Einwohner, wovon 82% Negros,  13% Mischlinge und 3% indischen Ursprungs sind. Obwohl sie "nur" eine
Bevölkerungsdichte von 315 Einwohner pro km2 hat (CH=174) macht sie  den Eindruck von Überbevölkerung, weil das Innere praktisch nur aus  bewaldeten Bergen besteht. Sie hat eine turbulente Vergangenheit. Mal  wurde sie von
den  Engländern, mal von den Franzosen regiert, bevor sie 1974 unabhängig wurde. In Sauteurs, einem kleinen, sympathischen Städtchen im Norden, fanden  die letzten kriegerischen Auseinandersetzungen statt. Dort nahm das
Schicksal der letzten Ureinwohner des Stammes der aggressiven Carib  ein tragisches Ende, als sich die letzten Familien 1651 von einem 40 m  hohen Küstenfelsen, dem "Carib's Leap", ins Meer stürzten, um sich nicht den vordringenden Franzosen ergeben zu müssen.

Wir können nicht gerade sagen, dass die heutigen Inselbewohner unfreundlich sind, doch so richtig "warm" wurden wir mit ihnen nicht. Es fehlt ihnen das warme Lächeln, der Charme der Trinidadier - es sind zwei Welten! Wenn wir so mit unserem Auto durch die Lande zogen, erlebten wir beides: Die einen starrten uns ausdruckslos an, andere männlichen Geschlechts riefen uns manchmal sogar aggressiv nach, nur ab und zu begrüssten sie uns mit einem Lächeln. Aber eben, es ist ein anderes Volk.

Unsere nächste Insel wird St. Vincent sein.


Mit herzlichen Grüssen
Liliana und Emil Schmid

 

 

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