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Fort-de-France/Martinique, 14.1.04


Karte von St. Lucia

Castries: Blick auf den pittoresken Hafen der Hauptstadt Castries

Dennery: Ursprüngliches Fischerdorf  Dennery an der Ostküste

Fond d'Or Bay: Einsame Fond d’Or Bay an der rauhen Atlantikküste

Hallo Herr Maissen,

Zuerst wüschen wir Ihnen und Ihrer Familie ein gesundes und glückliches Neues Jahr und weiterhin interessante Reisen!

Herzlichen Dank für den kurzen Gruss von Ihrer letzten Reise, der Kreuzfahrt auf der "MV Legend". Sicher war die Durchquerung des Panamakanals ein besonderes Erlebnis. Wir erinnern uns noch gut, wie aufregend es war, den Schiffen aller Herren Länder beim Durchschleusen zuzuschauen und sind nun gespannt auf Ihren diesbezüglichen Bericht auf Ihrer  Webseite. Wie hat Ihnen diese Seereise auf dem Luxusdampfer im allgemeinen gefallen? Inzwischen sind uns nämlich diese mehrstöckigen, meistens in makellosem Weiss glänzenden "Luxusmonster" auch nicht mehr fremd. In den letzten Wochen sind sie für uns in den karibischen Häfen zu einem alltäglichen Anblick geworden. Allein beim Verlassen von Barbados standen gleichzeitig sechs dieser schwimmenden Hotels - einige waren sogar mit eigenen Balkons vor den > Kabinen ausgerüstet - neben uns. Unvorstellbar, dass sie rund 2'000 Passagiere und 1'000 Besatzung mitführen. Wie klein und unscheinbar und in einer total gegensätzlichen Welt sind wir uns doch auf unserer "MV Admiral Bay", dieser rostigen, kleinen Kiste, vorgekommen, die zwar eine Rampe hat, jedoch fast keine Geländer mehr (durchgerostet), wo bei der Fahrt ständig ein Wasserschwall mit fliegenden Fischen auf die Ladefläche schwappte. (NB.Sie soll nun anfangs Jahr den Geist endgültig aufgeben). Und in St. Lucia, sahen wir diese "Sea-Cruisers" auch jeden Morgen langsam in die > schützende Hafeneinfahrt gleiten und am Abend in ihrer märchenhaften Beleuchtung wieder in das Dunkel der Nacht entschwinden. Es war jedesmal wieder von Neuem faszinierend.

Nun, St. Lucia empfing uns nicht mit den Rhythmen einer karibischen Steelband wie die Kreuzer, sondern eher mit Keulenschlägen! Das Touristenministerium hatte uns ja auch hier eine zoll- und kautionsfreie Autoeinfuhr auf ihrer "Paradies-Insel" (eigene Touristenwerbung) zugesagt, und das Kabinett hatte es zwei Tage vor unserer Ankunft auch sanktioniert, was uns auch mit Fax bestätigt wurde. Doch was passierte?


Pitons: Die “Pitons”, das bekannteste Wahrzeichen der Karibik, mit dem Dorf Soufrière zu Füssen

Prosit 2004:Prosit Neujahr von “unserer” Villa oberhalb Castries

Regenbogen: Intensiver Regenbogen über der Karibikküste

Regenwald: Unendliches Grün im Hinterland von St. Lucia

Um 6 Uhr morgens kamen wir nach über zwölf Stunden schaukelnder Nachtfahrt zusammen mit drei Luxuskreuzern (Serenade of the Seas/Royal Caribbean, Dawn Princess/P&O, Volkendam/Holland-America-Line) ziemlich gerädert im  Hafen von Castries an. Drei Stunden später erschien endlich der Zoll und wir mussten aus dem Schiff fahren. Kaum parkiert, wollte einer der Uniformierten unsere Autoschlüssel, was uns aber überhaupt nicht in den Sinn kam, denn > welchem Fremden gibt man schon seinen ganzen Haushalt in die Hände? Natürlich war der Kerl unzufrieden und fing an auszurufen. Wir liessen ihn kurzerhand stehen und gingen zuerst zur Immigration, wo wir erst des langen und breiten  erklären mussten, weshalb wir kein Rückreise-Flugbillet ins Heimatland vorweisen können (ist in allen Karibikländern erforderlich) bis sie schlussendlich akzeptierten, dass wir zusammen mit unserem Auto wieder auf dem Seeweg ausreisen würden. Wir erhielten dann 42 Tage Aufenthaltsbewilligung in den Pass gestempelt. Dann suchten wir den obersten Zollboss wegen der Auslösung unseres Landcruisers auf. Auch er zeigte sich nicht gerade von der zuvorkommenden Seite - möglicherweise lag es auch an der frühen Morgenstunde (10 Uhr)! Dann wurden wir aufgeklärt: Obwohl uns das St. Lucia-Kabinett eine zoll- und kautionsfreie Einreise zugesichert hätte, müsse er trotzdem auf einer Kaution bestehen, die auf US$3'500 angesetzt wurde - sozusagen als Sicherheit, dass wir unseren Toyota wieder ausführen - auch wenn das Regierungskabinett dies als vorausgesetzt ansah. Nun fingen wir natürlich langsam an, uns Sorgen über unsere Zukunft in diesem "Paradies" zu machen, und riefen mal beim Touristenministerium an. Nach einigen Stunden nervösen Wartens kam dann eine Botschaft, dass die Touristenbehörde nun die vom Zoll geforderte Kaution leisten werde und mit deren Durchführung einen Broker beauftragen würde. Um uns zu besänftigen, luden sie uns noch zum Mittagessen ein - was wir ja noch nett fanden. Bei unserer Rückkehr zeigte sich, dass unser "Schlüsselfreund" inzwischen bis zum obersten Boss der Hafenbehörde vorgerückt war. Und dieser drohte uns nun kurzerhand mit der Beschlagnahmung des Fahrzeuges samt allen Inhaltes, falls wir die Autoschlüssel nicht sofort aushändigten. Wir fanden die Leute im 142. "Paradies"-Land je länger je weniger nett! Und immer hörten wir wieder denselben Spruch: It's the rule - it's the law - these are the regulations, and this is St. Lucia! Mittlerweile war die alte Rostkiste von "MV Admiral Bay" wieder in Richtung Barbados verschwunden, also war für uns auch keine Fluchtmöglichkeit mehr vorhanden. Mit mehr als schlechten Gefühlen rückten wir schlussendlich im Gegenzug zu einigen Versprechungen unseren Autoschlüssel heraus. Das Hauptversprechen bestand darin, dass der Schlüssel beim Boss deponiert werde und somit kein sonst übliches Filzen der "Fracht" stattfinden würde - sehr beruhigend! Weil feststand, dass wir die Nacht ohne unser Auto verbringen mussten und wir nun schon seit zwei Tagen in den gleichen Klamotten herumliefen, wollten wir noch einige saubere Kleider und die Zahnbürsten aus unserem Landcruiser nehmen. So einfach war das nun aber nicht mehr. Der Hafenmanager rief den obersten Zollchef aus einer > Sitzung (!!), ob er uns das überhaupt erlauben dürfe. Seine Mitarbeiter waren jedoch schon nach Hause gegangen, die ein Protokoll über die mitnehmenden Zahnbürsten, Unterhosen und T-Shirts hätten erstellen sollen. Resultat: Eine weitere Nacht und ein weiterer Tag in unseren verschwitzten Kleidern. Kann man sich so einen Unsinn überhaupt vorstellen? Wir hatten die Nase wirklich gestrichen voll - nicht nur von unserem eigenen Geruch! Nun kurz gesagt: Am andern Morgen stand der Landcruiser noch unversehrt am gleichen Platz. Der Broker begann seine Arbeit und die Lage beruhigte sich langsam. Als dann am Nachmittag ein glatzköpfiger Zöllner das Auto inspizierte und auch noch Gefallen daran fand, > verschwanden unsere Rachegelüste - wir wissen zwar heute noch nicht, wie wir sie hätten ausführen können. Fazit der Übung: Man muss in solchen "Paradies"-Ländern zuerst einen kleinen uniformierten "Stinker" brüskieren, damit daraufhin die oberste Garde von einem Kenntnis erhält. Nur dann beginnen sie sich langsam um den Fall zu kümmern, was schlussendlich dazu führt, dass man wieder menschlicher behandelt wird. Uns scheint, dass die ganzen Hafenbehörden durch den riesigen Kreuzfahrermassentourismus so unflexibel geworden sind, dass ein Einzelfall wie der unsrige ihre > Fähigkeiten komplett übersteigt. Später bekamen wir noch eine Rechnung von US$464! für das "Ausladen" unseres > Autos (=Hafengebühren) präsentiert, obwohl wir das Auto selber von der Fähre  fuhren und parkierten. Aber "this is the law!" Wohl konnten wir dann den Betrag noch auf US$330 herunterhandeln, waren aber immer noch geschockt. Und es heisst, dass beim Verlassen der Insel die gleichen Spesen nochmals bezahlt werden müssen. Wo sind wir hier hingeraten! In "Hell" anstatt in "Paradise"? Wie mag nur die Hölle aussehen, wenn dies das Paradies sein soll? Eine Lektion haben wir bei all dem Ärger allerdings gelernt: Auf den kommenden Inseln lassen wir uns auf keine Tests mehr ein und wollen zum vornherein Klarheit, was uns dort erwarten wird. Unsere diesbezüglichen Abklärungen sind nun angelaufen.


Häuschen: Einfache Holzhäuser schmiegen sich an die steilen Hänge oberhalb der Hauptstadt

Kreuzer: Einer der vielen Luxuskreuzer in der Hafeneinfahrt von Castries

Mädchen: Eine der vielen traditionellen “Zöpfchen”-Frisuren der Karibik

Marigot Bay: Die Marigot Bay bot die tropische Kulisse des Films “Dr. Doolittle”

Nun, auch unsere erhitzten Gemüter beruhigten sich mit der Zeit wieder und wir versuchten, nun auch das Positive dieser Karibik-Insel zu sehen. Dazu beigetragen hat sicher auch, dass wir "über drei Ecken" eine zurzeit unvermietete Traumvilla am Waldrand oberhalb der Hauptstadt Castries mit Superaussicht auf das Meer bis hin nach Martinique und die umliegenden Hügel bewohnen durften. Dann fanden wir die Menschen ausserhalb des Hafens auch freundlich und nett, wobei ihnen der angeborene Charme der "Barbadians" eindeutig fehlt. Mit den paar verlumpten und verdrogten  Rastafarians, die uns immer wieder angingen, konnten wir umgehen. Vor allem aber war es die Kette steiler, mit dichter Vegetation bewachsener Küstenhügel vulkanischen Ursprungs mit ihren Riesenfarnen, Bambus und Palmen bis in die obersten Spitzen, unterbrochen von kleinen Dschungelflüssen, Bananenplantagen und friedlichen Fischerdörfern in den Ebenen, die uns in erster Linie bezauberten. Fairerweise müssen wir zugeben, dass diese Tropeninsel bis jetzt von den von uns besuchten Windward-Inseln die schönste ist. Sobald man ihre lebendige und ständig mit Autos überfüllte Hauptstadt Castries verlässt (die Chance, einen Parkplatz zu finden ist etwa dieselbe wie im Lotto zu gewinnen), winden sich die Strassen durch üppig grüne Vegetation steil bergwärts und vermitteln immer wieder wunderbare Ausblicke auf > Küste und die tropische Bergwelt. Am eindrücklichsten fanden wir es rund um das Dorf Soufrière - knapp 40 km oder zwei Stunden Fahrzeit südlich von Castries - wenn das schönste und bekannteste Wahrzeichen der ganzen Karibik zum Vorschein kommt: Zwei majestätische Vulkankegel  - "Pitons" genannt - die am Küstenende direkt vom Meeresgrund rund 900 Meter steil himmelwärts ragen. Immer wieder hielten wir an all den Aussichtspunkten, um uns an der spektakulären Aussicht zu erfreuen. Wären nicht die aggressiven, hartnäckigen Souvenir-Verkäufer à la Marokko gewesen, die wir ständig abwehren mussten, so wäre es wirklich paradiesisch schön gewesen. Aber auch die Ost- und Südküste bietet viel, ist zudem ursprünglicher und einsamer und vermittelt noch einen Hauch von nostalgischer Karibik - so muss es überall ausgesehen haben, bevor der Massentourismus das Land überrannt  hat.


Segelregatta: Erstankömmlinge der Segelregatta aus Martinique an der Rodney Bay

Sonnenuntergang: Ankernde Jachten vor einem tropischen Sonnenuntergang an der Rodney Bay

Soufrière: Fischerdorf Soufrière, umgeben von einem Meer von Palmen

Nordwestküste: Die tropischen Hügel an der Nordwestküste sind von kleinen Sandbuchten unterbrochen

Speziell  gut gefallen hat uns das Südkap Moule à Chique, von wo aus man den Blick auf die gebirgige Karibik- wie auch auf die flachere, zerfranste Atlantikküste, sowie auch gleichzeitig nach St. Vincent schweifen lassen kann. Natürlich gibt es auch auf St. Lucia wieder die berühmten karibischen Sandstrände, wenn auch weit weniger in der Anzahl als auf Barbados: Die berühmteste und zugleich auch romantischste Bilderbuchbucht ist die Marigot Bay, wo steile mit Regenwald bedeckte Hänge auf eine enge Sandzunge stossen und sich Kokospalmen im Winde wiegen. Dort wurde der Film "Dr. Doolittle" gedreht. Aber auch andere internationale Filmemacher sollen sich die spektakuläre Kulisse dieser tropischen Insel für ihre Werke ausgesucht haben. Im Nordwesten, in der Nähe der Hauptstadt, sind die touristisierteren> Badebuchten zu finden, mit einer Marina in Rodney Bay, die über 1000 Jachten fassen kann und eine Welt für sich ist. Es ist alles vorhanden - von Supermärkten, frischen Gemüseständen, Wäschesalons, Baren, Restaurants bis zu Reparaturwerkstätten. Es soll Segler geben, welche solche Marinas überhaupt nie verlassen. Einsamere, versteckte Sandbuchten gibt es an der rauheren Atlantikküste im Osten. Wir versuchten den Zugang einige Male, mussten aber immer wieder umdrehen, weil die Zufahrten mangels Pistenunterhalt auch für Allradfahrzeuge praktisch unpassierbar geworden sind. Obwohl auf allen Karibikinseln alle Strände öffentlich sind, sind aber in St. Lucia doch manche von Hotelresorts hermetisch abgeschlossen. Einziger Zugang ist oft nur durch das Hotel selbst, und dort sorgt man schon dafür, dass sich keine Unbefugten durchschmuggeln, ausser man bezahlt ziemlich heftige "Eintrittsgebühren". Ein Einheimischer sagte uns mal: "Hier in St. Lucia tut Dir niemand einen Gefallen, es sei denn für Geld!" Oder auch der kursierende Spruch "If you want to come to paradise, you have to pay for!" trifft für St. Lucia ziemlich zu. Doch wir kamen immer noch auf unsere Rechnung und konnten uns auch an den vielfältigen Muschelarten erfreuen, die ständig neu angeschwemmt werden und nun langsam jede noch freie Ecke unseres Landcruiser füllen (Liliana hat eine grosse Faszination für Muscheln!) Eigentlich wollten wir schon vor Weihnachten nach Martinique weiter ziehen. Aber das hatte auch wieder so seine Tücken und Probleme: Obwohl es nur 34 km entfernt ist, hat es preislich sehr wenige vernünftige Möglichkeiten. Zweimal pro Woche gibt es zwar eine Highspeed-Ferry, die 80 Autos und 400 Passagiere transportieren kann, doch hier in St. Lucia fehlt eine geeignete Rampe (der Schiffsboden liegt zu hoch) zum Autoverlad. Dann gibt es  auch wöchentliche Frachtverbindungen mit zwei grossen Schiffahrtsgesellschaften, bei denen aber nur Containerverlad möglich ist und diese 34 km dadurch gleich mal US$1'500 kosten. Kürzlich haben wir aber eine zweite, etwa gleich  grosse Rostkiste wie "unsere" MV Admiral Bay" gesehen (weil wir von unserer Villa einen so schönen Überblick über die Hafeneinfahrt genossen), die offenbar alle zwei Wochen von Dominica antuckert. Bevor wir jedoch auf diesen Fluchtweg ausweichen müssen, hoffen wir, dass die uns offerierte Transportmöglichkeit mit einem leer nach Martinique zurückfahrenden Sand-Ponton klappen wird. Er geht leider nicht nach Fort-de-France, sondern nach St. Pierre, der alten Hauptstadt. Nun warten wir, dass uns die Toyota Martinique, die nun die diesbezüglichen Abklärungen drüben  durchführen will, das OK dazu gibt. Allerdings meinten sie, dass jedes nach Martinique kommende Auto durch ihren TÜV abgenommen werden müsste. Dies hörten wir vor einigen Jahren schon mal in Japan - und dort wurde es damit auch nicht so ernst genommen, und zudem wird Martinique ja als "La France" angesehen - analog Guadeloupe und Französisch Guyana. Also hoffen wir, dass es falscher Alarm war.


Marina: Segler aus aller Herren Länder in der Marina von Rodney Bay

Markt: Samstagsmarkt in Castries

Palmen: Südseeromantik an der Ostküste

Die Festtage noch in "unserer" Villa in St. Lucia zu verbringen, war für uns sehr schön. Wir konnten von unserem "Hochsitz" aus all die bunten, wunderschönen Feuerwerke miterleben, die über der ganzen Stadt explodierten und die Neujahrsnacht mit ihren leuchtenden Feuerkugeln und Funkenregen verzauberten. Wer weiss, wann uns das Leben wieder eine so fabelhafte Überraschung bereit hält! Zwar mussten wir einmal mehr die Autozulassung und -Versicherung verlängern. Es scheint, dass die karibischen Mühlen immer langsamer mahlen, je weiter man nach Norden kommt. Und diese "Langsamkeit" zehrt manchmal schon auch an unseren Nerven, weil man nie 100%-ig weiss, ob man es am Ende schafft oder nicht - Herausforderungen, die manchmal schlimmer als die grössten Schlammlöcher im Kongo oder Guyana sind. Dort ist man schlussendlich immer auf sich selbst gestellt. Hier hängt man immer von  anderen ab.

Übrigens "bombardierten" wir in den letzten Wochen den Hafenmanager mit Faxen (mit Kopien an den Premier- und Touristenminister) und beantragten, uns die unseres Erachtens ungerechtfertigten Einreisegebühren zurückzuerstatten und dieselben bei der Ausreise zu erlassen. Endlich, am Vor-Silvestertag, nachdem wir viele Male persönlich vorgesprochen und immer wieder "gestupft" hatten, erhielten wir dann endlich den Entscheid in Form einer Kompromisslösung: Die Ausgangsgebühren wurden gestrichen, doch die Einreisegebühren von US$330 wurden uns nicht mehr zurückerstattet.

Zum Abschluss noch einige statistische Zahlen: 87% der 160'000 Inselbewohner sind Christen, 90% Nachfolger von im 18. und anfangs 19. Jahrhundert aus Afrika importierten Sklaven. Die "Carib", die damaligen Bewohner der Insel,> sind ausgestorben. Unabhängig geworden ist die 616 km2 grosse Insel 1979. Unser organisatorischer Aufwand zum "Cruisen" der Karibik mit unserem Landcruiser beträgt bis heute 145 Ausland-Telefonate und 49 Faxe, abgesehen von unzähligen Emails, die praktisch nie beantwortet wurden. Mit 162 ein- und ausgehenden Emails können wir im letzten Dezember auch einen neuen Rekord verzeichnen. Trotzdem uns "Paradise Island" nicht gerade mit offenen Armen empfangen hatte, erlebten wir hier doch noch eine schöne Zeit, nicht zuletzt wegen unserer einmaligen Unterkunft. So packte uns, wie  überall, auch hier die Wehmut wieder, als es Abschied nehmen hiess und am 8. Januar bei Sonnenuntergang die Sand-Barge (Ponton) "St. Kitts" mit uns dreien an Bord langsam vom Schlepper "Gard 1" aufs offene Meer gezogen wurde mit dem Ziel Martinique - "La France".

Herzliche Grüsse aus der nun temperaturmässig angenehmer werdenden Karibik (tagsüber um 28, nachts um 20 Grad):

Emil und Liliana Schmid

 

Pointe-à Pitre/Guadeloupe, 18. Februar 2004


Karte von Martinique

Der 1’420 Meter hohe, noch aktive Mt. Pelée ist der höchste Berg der Insel

Basilique de Sacré Coeur mit der einzigartigen Kulisse der Pitons du Carbet

Ausschnitt von St. Pierre, der einstigen Hauptstadt von Martinique

Hallo Herr Maissen,

Am Freitag, 9. Januar 2004, haben wir wieder einmal europäischen Boden betreten! Die Morgendämmerung zeichnete gerade die ersten, schwachen Konturen des 1420 Meter hohen Mt. Pelée, des höchsten Berges von Martinique ab, als unser 3000-Tonnen-Ponton "St. Kitts" am privaten Pier der Sablière Moderne in St. Pierre, der ehemaligen Hauptstadt, anlegte. Wir waren total versandet, wie nach einem heftigen Sandsturm in der Sahara. Sand knirschte zwischen den Zähnen, hatte sich in Augen und Ohren festgesetzt und sich vor allem überall in kleinen Dünen in unserem Landcruiser eingenistet. Bei der Abfahrt in St. Lucia hatten wir uns überhaupt keine Gedanken über die Reste des feinen und klebrigen "Hochqualitätsbausandes" des Mt. Pelée gemacht, die auf dem Ponton zurückgeblieben waren. Aber kaum waren wir auf hoher See, kam ein starker Fahrtwind auf und wirbelte und fegte nun diese feinen Sandkörner frisch und munter zwischen den hohen Seitenwänden des Pontons von einer Seite auf die andere. Und wir standen mitten drin und es gab absolut kein Entweichen mehr, denn während der Fahrt konnten wir nicht mehr auf den Schlepper ausweichen - der hatte jetzt rd.
200 m Abstand von uns. Plötzlich ging uns ein Licht auf, weshalb uns der Kapitän vor dem Auslaufen noch anerbot, die Nacht bei ihm auf dem Schlepper zu verbringen. Aber wir wollten in unserem bequemen Landcruiser schlafen, dauerte doch die Überfahrt immerhin volle zehn Stunden. Zu allem Übel hatten wir auch noch nicht zum Schlafen umgeräumt, was bei uns offene Autotüren bedingt. Dazu kam noch, dass es sehr heiss war und wir die Fenster offen lassen mussten,
wollten wir nicht im eigenen Saft schmoren. Den Rest können Sie sich denken: Am Morgen hatten wir jedenfalls alle Hände voll zu tun, um all die kleinen Sanddünen im Auto zusammenzukratzen! Aber wir haben es "überlebt". Und beklagen wollen wir uns eigentlich auch nicht, denn die Fahrt war ja gratis.

Der Mt. Pelée, ein noch aktiver Vulkan, erinnerte uns beim ersten Anblick vegetationsmässig an das Alpengebiet. Er machte einen durchaus friedlichen Eindruck und es war schwer, sich vorzustellen, dass er am 8. Mai 1902 das Leben von 30'000 Einwohnern der am Fusse gelegenen ehemaligen Hauptstadt St. Pierre - damals als "Petite Paris of the West Indies" bekannt - innert acht Sekunden auf einen Schlag auslöschte, als er eine Wolke geschmolzene Lava ausspuckte, die dieselben verheerenden Folgen wie seinerzeit die Atombombe in Hiroshima hatte. Überlebt hatte nur ein  Trunkenbold, der über Nacht in eine unterirdische Gefängniszelle gesperrt wurde. Heute präsentiert sich das neue St. Pierre als friedliches Fischerstädtchen, pittoresk am Meer gelegen, mit typisch südfranzösischem Charme mit kleinen Bistros, Gartenrestaurants, Crèperien und Sitzbänken an der baumbestückten Meerespromenade. Alles sieht sauber, adrett und ordentlich aus. Auch die verschiedenfarbigen Recyclingcontainer fehlen nicht - eben wie in Europa. Die kleine Zollstation, wo wir die Einreiseformalitäten hätten erledigen sollen, war unbemannt - die Gendarmen waren gerade auf dem "Terrain", wie man uns sagte. Man schlug uns vor, nach Fort-de-France, zu fahren und uns dort beim Hauptzoll zu melden. Bis wir dort eintrafen, war es aber bereits Nachmittag und dafür zu spät, weil wir erstens unterwegs der Versuchung nicht widerstehen konnten, im nächsten Laden unseren geliebten Camembert und ein frisches Baguette einzukaufen und zweitens dann der Verkehr dramatisch zunahm, je mehr wir uns der Hauptstadt näherten. Der erste
Blick auf Fort-de-France haute uns fast um: Von der vierspurigen, verstopften Umfahrungsautobahn aus blickten wir auf ein Meer von Häusern und gesichtslose Hochbauten unterer Preisklasse, die bis in die Hügel hinauf wucherten - soweit das Auge reichte. Die Altstadt schien uns von der Ferne aus gesehen relativ klein. Doch wir täuschten uns gewaltig: Es laden überraschend viele Ladenstrassen zum Bummeln ein. Mittelpunkt ist der an die Küste angrenzende, grosse Stadtpark "La Savane", wo sich Jung und Alt unter den schattenspendenden Palmen und Tamarinden-Bäumen trifft und wo immer was los ist.

Es wurde dann Montagnachmittag, bis wir endlich mit unserem Auto beim Zoll vorfuhren. Dort erlebten wir ein echtes "Bienvenue!": Keine Vorwürfe, weshalb wir erst jetzt erscheinen, keine Rede von Vorführen unseres Autos, kein Bemängeln unseres abgelaufenen Reifens - nur die Haftpflichtversicherung wollte man sehen. Einmal mehr durften wir die
wohltuende Flexibilität, Unkompliziertheit und Zuvorkommenheit der Franzosen erleben. Hätten wir nicht noch um einen Souvenir-Eingangsstempel in den Pass gebeten, so wäre unser Eintritt nach Martinique ohne irgendwelche Formalitäten überhaupt erfolgt. Und wir hatten uns in St. Lucia solche Sorgen auf Vorrat gemacht, auch was die angeblich fast unbezahlbaren Hafen-Entladungs-Forderungen der Gewerkschaften betrifft, wenn man im Hafen von Fort-de-France ankommt (analog St. Lucia!). Diese konnten wir glücklicherweise damit umgehen, dass wir an einer privaten Anlegestelle im nördlichen St. Pierre eingereist sind. Es zeigte sich rasch, dass Martinique doch nicht ganz Europa - allerdings auch nicht mehr ganz Karibik ist!


Die reifenden Bananen werden mit blauen Plastiksäcken geschützt 

Vielfältige tropische Vegetation bei Morne Rouge 

Der Zauber der untergehenden Sonne 

Prunkvolle Fassade des Schoelcher-Museum in Fort-de-France 

Den Euro haben sie aber auf alle Fälle und damit auch die europäischen Preise. Die Supermärkte sind voll von verlockenden, teuren französischen Produkten. Doch in Billigsupermarktketten wie "Ecomax" und "Leader Price" (analog Aldi in Deutschland) kann man manche Produkte immer noch preisgünstig einkaufen, oft sogar günstiger als auf der anglophonen Seite, ausgenommen Trinidad. Zumindest für uns war es nun der richtige Ort, die längst zu Ende gegangenen Vorräte wieder ordentlich aufzustocken. Interessant ist auch, dass wir auf der anglophonen Seite nirgends französische Produkte fanden - ausser ein einziges Mal "La Vache qui rit" in St. Lucia. Im Gegenzug gibt es hier auf Martinique keine Produkte der Caricom-Länder. Der franko-anglophone Graben scheint recht gross zu sein - grösser als der  "Röstigraben"! Vielleicht ist dies auch ein Grund, dass keine einzige Delegation aus Martinique am Staatsbegräbnis des kürzlich verstorbenen Premierministers Pierre Charles auf Dominica vertreten war. Auch Schiffsverbindungen zwischen franko- und anglophonen Inseln sind praktisch inexistent. Deshalb haben wir auch unseren Plan, von hier aus nach
Dominica überzusetzen, zugunsten von Guadeloupe geändert. Damit haben wir zumindest für einmal keine Verschiffungs- und Zollprobleme, denn wir verschieben uns ja innerhalb von Frankreich. Doch in Guadeloupe sieht es dann für die Weiterfahrt wieder ein bisschen anders aus. Wohl macht eine Highspeed Ferry auf der Fahrt von Guadeloupe nach
Martinique einen Zwischenhalt auf Dominica; sie kann jedoch dort keine Autos entladen. Der Schiffsboden des Katamarans ist so hoch, dass in den französischen Häfen dafür eine spezielle Rampe gebaut werden musste, was natürlich auf Dominica fehlt. Unsere einzige Möglichkeit ist nun, dort per Kran zu entladen, vorausgesetzt, er ist bezahlbar und die Zuständigen dieser Highspeed Ferry in Guadeloupe sind mit dieser Lösung einverstanden. Wenn es nicht klappt, müssen wir einmal mehr die "Nadel im Heustock" suchen.


Emil braucht ein Bier beim Einbau der neuen Welle in Sainte-Luce 

Liliana vor der tosenden Brandung in Sainte-Marie 

Bananen- und Zuckerrohrfelder grenzen aneinander 

Aussicht auf die Altstadt von Fort-de-France 

Martinique hat uns überraschend gut gefallen - so gut, dass diese Insel nun St. Lucia bereits überholt hat. Erstens ist sie grösser, und zweitens öffnet das gut ausgebaute Strassennetz vielmehr Möglichkeiten, um die Vielfältigkeit und die Wildheit der Natur zu entdecken und zu geniessen: Der gebirgige, mit dichtem Regenwald bedeckte Norden war unser grosser Favorit. Wir konnten uns stundenlang kreuz und quer durch die faszinierende Tropenwelt bewegen und uns an der überschwenglich grünen Pracht kaum satt sehen. Mal rauschten Wildbäche tief unter uns, mal plätscherten romantische
Wasserfälle gleich neben uns. Mal huschte ein Mungo über die Strasse, und immer war die Luft von fröhlichem Vogelgezwitscher erfüllt. Sehr beeindruckend war auch das Gebirge selbst, mit dem Mt. Pelée als höchsten Berg und den beiden Pitons du Carbet, die immer wieder mal majestätisch und photogen fast senkrecht vor uns auftauchten. Analog der Nachbarinseln, hat uns auch auf Martinique die wilde und unberührtere Atlantikküste am besten gefallen, und die Fischerdörfer sind nicht weniger pittoresk, vor allem Tartane, Sainte-Marie und Grand'Rivière im obersten Zipfel des Nordostens, von wo die Ringstrasse zur Westseite bis Anse Couleuvre für rd. 16 km unterbrochen ist. Aber auch der
Nordwesten mit St. Pierre ist reizvoll. Die See ist dort ruhiger und die Badebuchten sind zahlreicher, oft sogar mit Picknicktischen und/oder Toiletten und Duschen eingerichtet. Nachteil: Vor allem über das Wochenende sind alle hoffnungslos überfüllt, weil an der Atlantikseite das Baden wegen der Gefährlichkeit des hohen Wellengangs strikte untersagt ist. Ein bisschen störte uns, dass schon wieder Absperrungen da sind und man mit dem Auto vielfach nicht mehr direkt an den Strand fahren kann, sondern direkt am Strassenrand parken muss. Der südliche und südwestliche Teil von Martinique konnte uns hingegen nicht so sehr begeistern. Er ist für unseren Geschmack zu touristisiert - einige Orte sind
die reinsten Touristenghettos. So schön auch dort einige palmenumsäumte Strände sind, wie z.B. in Pointe des Salines an der Südspitze, so konnten sie uns bei all dem Fleischmarkt jetzt in der Hauptsaison nicht halten. Wir kamen uns eindeutig fehl am Platze vor. In der ruhigeren Nebensaison mag es ja anders aussehen. Campen darf man aber auch dort nur beschränkt, denn seit 1999 sind alle Campingplätze auf Martinique nur noch während der Feiertage und Schulferien offen, angeblich wegen Missbrauch durch Jugendliche, unserer Ansicht aber auch, um das Hotelgeschäft zu unterstützen. So
"logierten" wir in Trinité im Osten inmitten von sanften Hügeln mit Zuckerrohr- und Bananenplantagen, die weite Teile von Martinique bedecken. Dort ist es ländlich und friedlich, fern der mit Autos ständig überfüllten Hauptstadt. Wenn es nicht so viele Autos auf der Insel gäbe, so wäre Martinique wirklich eine "Spitzeninsel". Doch leider steht man immer irgendwo im Stau und findet immer und überall überhaupt keinen Parkplatz mehr.


Traumstrand in Pointe des Salines an der Südspitze
 
Fischerdorf Grand’Rivière an der wilden Nordostküste; dort hört die Strasse auf

Frisch gegrillte Hühnchen werden vielerorts angeboten

Eine einheimische Familie bei einem Sonntagsausflug 

Glück im Unglück hatten wir eines Tages bei einer Autopanne im Süden der Insel: Es war am 28. Januar in Ste-Luce, als es plötzlich vom hinteren linken Rad ohrenbetäubend rumpelte und krachte. Das Glück war, dass es uns noch gelang, uns von der stark befahrenen Autobahn auf einen ebenen Parkplatz zu retten, bevor wir keinen Meter mehr fahren konnten. Das Unglück war - wir wussten es - dass es wieder die verflixte Welle war, die 8. seit unserem Reisebeginn im Oktober 1984. Und diesmal hatten wir keine neue mehr an Lager, nur noch eine gebrauchte aus Pakistan. Was blieb uns anderes übrig, als diese einzubauen? Solch eine Reparatur dauert immer vier bis fünf Stunden und irgendwann tauchte dann mal die Polizei auf. Die beiden Gendarmen waren aber unwahrscheinlich nett, wollten uns noch zum Essen, Duschen und Erfrischen einladen, was wir uns von CH-Streifen nicht unbedingt vorstellen können - oder täuschen wir uns etwa? Unser
Hauptproblem ist nun einmal mehr das Auftreiben einer Reservewelle - die nächste Möglichkeit von hier aus wäre Frankreich. Nach unseren Erkundigungen kostet sie, inkl. Fracht, aber gleich Euro 1000 - da können wir es gleich  vergessen. Also heisst es weiter suchen. Eigentlich war die Panne für uns überraschend, hatte die Welle doch nur 40'000 km drauf  (normalerweise können wir 70 - 100'000 fahren, eine in Dubai aufgeschweisste schaffte es sogar 140'000 km - eine zweite in Argentinien aufgeschweisste überlebte jedoch nur einige Dutzend Kilometer, bevor sie brach und wir auf einer Autobahn bei Los Angeles das Rad verloren). So, wie das Kugellagerkäfig aussah, können wir uns nur vorstellen, dass anlässlich der Reparatur des Differentials im Juli letzten Jahres in Trinidad beim Wiedereinbau der Welle nicht
sorgfältig genug gearbeitet wurde, was höchstwahrscheinlich zur Beschädigung des Kugellagerkäfigs und letzten Endes nun zum verfrühten Achsabrieb geführt hat. Wir wollen ja nicht bösartig sein. Aber bringe mal Dein Auto in eine Garage, dann hast Du bestimmt neue Probleme........ Was Sie sicher interessiert: Auf seiner "Karibik-Jungfernfahrt" machte am
4. Februar die "MV Queen Mary II" - das grösste je gebaute Kreuzfahrtschiff - auch in Fort-de-France Halt, was den ganzen Hafen zum Stillstand brachte. Aus Sicherheitsgründen durften keine LKW's und Autos mehr ver- oder entladen
werden. Somit wurde auch mit unserer an diesem Tag geplanten Weiterreise nach Guadeloupe nichts. Macht nichts, es war sehr interessant, diesen Luxusgiganten bestaunen zu dürfen. Er ist 345 m lang, 41 m breit mit 151'400 Bruttoregistertonnen (die bisherigen Mega-Cruiser sind etwas über 100'000 Tonnen) und fasst 2'620 Passagiere und 1'253 Besatzung. Die Kabinenpreise bewegen sich zwischen US$2'000 und US$ 33'000! pro Person. Die Euphorie
der Martiniquer war einmalig. Zu Tausenden fanden sie sich zum königlichen Empfang dieses mehrstöckigen Luxusbaus ein, umsomehr, als ihr Architekt aus Martinique stammt. Schon Tage zuvor war ihre Ankunft das Hauptgespräch; immer wieder wurde sie im Fernsehen angekündigt und vom Anlanden am frühen Morgengrauen an Live übertragen. Die Behörden und das Touristenministerium haben die ganze Stadt aufpoliert und zum glanzvollen Empfang vorbereitet:
Wo immer man hinblickte, sah man gutgelaunte Menschen, Frauen in ihren traditionellen, farbenprächtigen Trachten, Bands, die aufspielten, Karnevalsgruppen, die für Stimmung sorgten und an jeder Ecke standen Blumentöpfe und -bouquets mit wunderschönen exotischen Pflanzen. Es herrschte eine Bombenstimmung. Martinique kämpft zusammen mit all den andern Karibik-Inseln mit allen Mitteln um die Gunst des Kreuzfahrertourismus - der Konkurrenzkampf ist gross und hart! Das Einkommen vom Tourismus beträgt hier zurzeit rund US$ 300 Millionen pro Jahr. Passagiere der Kreuzer geben im Durchschnitt US$ 22 pro Person aus. Da kann es schon schmerzen, wenn ein Kreuzschiff, das mit 3000 Passagieren bis anhin 50. Mal pro Saison in Fort-de-France anlegte, plötzlich Dominica bevorzugt! (Es handelt sich
um die "MV Carnival Destiny", wie wir kürzlich aus den Medien erfuhren.)


„MV Queen Mary 2“, das grösste je gebaute Kreuzfahrtschiff, im Hafen von Fort-de-France

Schlepper und Ponton bei der Ankunft in St. Pierre 

Der fächerartige „Arbre de Voyageur“ ist auf Martinique weit verbreitet 

Traditionell gekleidete Marktfrau im Zentralmarkt von Fort-de-France 

Wie immer, hier zum Schluss noch einige statistische Zahlen: Die Insel ist 65 km lang, 3l km breit mit 350 km Küste. Die Gesamtfläche beträgt 1'106 km2 mit ca. 420'000 Einwohnern. Exportprodukte sind Bananen, Ananas, Schnittblumen und Rum. Bruttosozialprodukt ist US$ 11675. Die Arbeitslosigkeit beträgt zurzeit 25%. Geographisch liegt die Insel auf dem gleichen Breitengrad wie Dakar im Senegal. Wir sind total 1'500 km gefahren und haben für sehr viele Euros Benzin verbraucht (Euro 1.04 der Liter).

Am 9. Februar, nach 31 Tagen, nahmen wir wieder Abschied von Martinique, wo wir eine wunderbare Zeit verbrachten. Die Natur war faszinierend; die Menschen - ein Gemisch von französischem Charme, afrikanischer Exotik und karibischem Flair - waren sehr gastfreundlich und herzlich. Sie zeigten uns immer wieder ihre Sympathie und luden uns auch vielfach in ihr Haus zum Essen ein. Am Schluss mussten wir sogar Einladungen abwehren, weil es einfach zu viele wurden. So wurde Martinique für uns ganz unerwartet zu einem neuen Höhepunkt der Karibik.

Die See war rauh mit Wellen bis zu vier Metern Höhe, als wir mit der "MV Neptunia" der französischen Marfret/FerryMar-Schiffahrtslinie unserem neuen Ziel Guadeloupe entgegen steuerten. Dieses Mal stand unser Landcruiser gut geschützt im Schiffsbauch. Und wir mussten weder einem "Sandsturm" trotzen, noch mit den Füssen im Wasser stehen, noch auf Bananenschachteln nächtigen! Wir konnten auf weissen Laken in einer komfortablen Kabine schlafen und wurden von Kapitän Papic wunderbar betreut und verwöhnt!

Nun wünschen wir Ihnen, dass sich die Wintersaison in der Schweiz auch weiterhin in einer Märchenlandschaft präsentieren wird, die keine Sehnsucht nach Palmen, Meer und exotischen Blumen aufkommen lässt!

Wir grüssen Sie und Ihre Familie ganz herzlich:

 Liliana und Emil Schmid
 

 

 

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