März 2002, Morongo Valley
Unser Aufenthalt hier im High Desert kann in 1 - 2 Wochen beendet sein; die
Inhaberin ist auf dem "Rückmarsch". Dann geht es los in Richtung Miami.
Apropos Miami: Ihre Tochter arbeitet doch dort im Mandarin-Hotel. Sollten
Sie bald wieder einmal nach Miami fliegen, möchten wir Sie anfragen, ob Sie
nicht Dias von uns mit in die Schweiz nehmen könnten. Falls Sie
einverstanden sind, könnten wir die Dias ja bei Ihrer Tochter abgeben. Die
in den Guyana's und im Amazonas zu erwartende Feuchtigkeit hilft nämlich
nicht gerade der Qualität.
Übrigens hat uns die Nordana/Gulf-Africa-Line die Offerte für die Fahrt von
Savannah/Georgia nach Südafrika auf unbestimmt verlängert, sodass wir von
Südamerika wieder in die Staaten zurückkehren könnten, um dann irgendeinmal
diese Offerte in die Tat umzusetzen.
Mit vielen herzlichen Grüssen:
Emil
Miami, 27.6.02
Lieber Herr Maissen,
Endlich ist es soweit - Morgen früh fliegen wir nach Caracas. Die
West-Ost-Ueberfahrt hat 13 Tage, 5393 Km und 102 Fahrstunden gedauert. Wir
sind alles Backroads gefahren und haben wieder viel Neues und Interessantes
gesehen.
Unser Landcruiser steht seit heute Nachmittag in einem Container im Hafen
von Miami und geht Morgen auf Freifahrt nach La Guaira in Venezuela. Unser
blauer Freund soll am nächsten Mittwoch eintreffen. Eigentlich sind wir erst
wieder glücklich, wenn wir vereint sind!
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Frau ein schönes Wochenende und senden Ihnen
herzliche Grüsse
Liliana und Emil Schmid

Schweizer
Weltatlas 1981
Seite 120
Macuto/Venezuela, 11.7.02
Lieber Herr Maissen,
Wir sind am 28. Juni mit LAN-Chile gut in Caracas gelandet. Der Zoll war
problemlos, niemand wollte unser (Hand)-Gepäck sehen. In einen kleinen
Küstenort rd. 40 km von Caracas entfernt, sind wir in ein kleines, sauberes
Hotel mit eigenem WC/Bad, Ventilator und Fernseher gezogen - für US$7 die
Nacht, während wir auf die Ankunft des Frachters mit unserem schlussendlich
(glücklicherweise) containerisierten Landcruiser warteten. Der Zufall wollte
es, dass das Schiff zwei Tage Verspätung erlitt und erst am letzten Freitag,
dem venezolanischen Unabhängigkeitstag, eintraf, und daher erst gestern
Montag ausgelöst werden konnte.
Von Dienstag bis Freitag rannten wir trotz Carnet de Passage Zollpapieren
nach. Vorgewarnt, dass der ganze Laden korrupt ist, machten wir uns auf
alles gefasst. Als bis zum Ende des zweiten Tages nichts passierte und wir
mit der Vorsprache bei der Direktion drohten, hiess es, dass es
normalerweise 15 (!!) Tage dauern würde. Man wartete darauf, dass wir
Schmieren - doch wir schmierten nicht, blieben einfach von morgens bis
abends hartnäckig auf der Bank vor dem Schaltern sitzen. Am Donnerstag vor
dem Feiertag, nachmittags um 16h hatten wir dann alles beisammen, ohne einen
Cent, d.h. Bolivar dafür zu bezahlen.
Heute lösten wir dann das Auto physisch aus. Hier kamen wir allerdings nicht
um die Hafenspesen herum ($320 - Kran/Transport/Wharfage etc.etc.) - doch
wenigstens war der Zollausgang, kontrolliert durch das Militär, mehr als
einfach. Man schaute nicht einmal ins Auto, und wir befürchteten schon, sie
würden wegen der vielen Ware, die wir mitführen, Schwierigkeiten machen.
Nun sind wir also wieder mit unserem "blauen Freund" vereint. Er hat die
Seereise im Container schadlos überstanden. Wenn wir - wie ursprünglich
geplant - ihn Ro-Ro verschifft hätten, wäre er wahrscheinlich wie ein
Christbaum ab- und ausgeräumt, so wenigstens sehen es die Leute hier. Aber
wir hatten wieder einmal Glück, indem das sonst verkehrende Ro-Ro-Schiff ins
Trockendock musste, und die Seaboard-Marine ein Containerschiff für diese
Zeit charterte. Und weil das Auto am 1.7. wegen dem amerikanischen Zoll
ohnehin aus den USA rausmusste und unser Flug auf dem 28.6. unverschiebbar
gebucht war, stellten sie uns ohne Kosten einen Container zur Verfügung.
Die Menschen hier sind angenehm, zurückhaltend und doch hilfsbereit. Trotz
der schwierigen politischen Lage, der grossen Armut, der täglichen
Lebensmittelerhöhungen, der grossen Kriminalität und der Korruption ist
ihnen noch ein Funken Lebensfreude geblieben, speziell die Musik. Bier
hilft auch mit, bereits zum Frühstück, sowohl bei Mann wie Frau. In Macuto,
wo wir weilten, sah man nie jemanden ohne Bierflasche. Sogar Kinder trinken
Bier - mit Röhrchen! Am 11. Juli - drei Monate nach der kurzfristigen
Absetzung von Präsident Hugo Chavez - findet nun erneut ein Protestmarsch
der Opposition statt. Zweifellos sitzen wir auf einem Pulverfass. Viele
Leute haben richtig Angst, dass ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte. Wichtig
für uns ist, dass wir immer genügend Benzin im Tank haben, um an die nächste
Grenze zu gelangen.
Wir werden nun mit der Fähre von Coro erst nach Aruba und Curacao reisen,
dann wieder nach Venezuela zurück. Trinidad steht auch (noch) auf unserem
Plan. Dorthin existiert zwar keine Fähre, doch versuchen wir, mit einem
Versorgungsschiff übersetzen zu können. Ende August geht es dann nach Boa
Vista/Brasilien und von dort in die drei Guyanas.
Morgen werden wir nach Colonia Tovar fahren, wo mehrheitlich Deutsche (von
früher her) leben. Mal sehen, ob wir noch alte Bekannte von 1988 antreffen.
Mit herzlichen Grüssen, auch an Ihre Frau:
Liliana und Emil Schmid
Camping:
Idyllisches Camp am Rio Branco beim São Joaquim Fort zwischen Boa Vista
und der Guyana-Grenze in Brasilien
|
Cowgirl:
„Herausgeputztes“ Cowgirl beim Amazonien-Rodeo in Boa Vista/Brasilien |
El Yunque:
Primärurwald im El-Yunque Nationalpark in Puerto Rico
|
Boa Vista, 7. Oktober, gestern Wahltag in
Brasilien
Sehr geehrte Herr und Frau Maissen,
Seit unserer letzten Email aus Colonia Tovar/Venezuela vom 13. Juli haben
wir wieder die Luft eines neuen Landes, unser 135., geschnuppert: Guyana.
Hier die Geschichte:
Am 9.9. reisten wir problemlos vom brasilianischen Bomfim mit der Fähre über
den Rio Tacutu bei Lethem in Guyana ein. Auf der Brasilien-Seite noch
asphaltierte Strassen, nachts beleuchtet - auf der guyanischen nur noch rote
Pisten mit Löchern und verstreuten strohbedeckten Häuschen - ganz Afrika!
Mit Ausnahme von vielen Bedfords (analog Guerba, Exodus und anderen
Overländern), fahren noch einige ausrangierte Landrover und ab und zu mal
ein Landcruiser herum. Aber die Leute sind extrem nett und absolut nicht vom
Tourismus verdorben - es hat ja keinen.
Am folgenden Tag fuhren wir dann gleich in Richtung Georgetown, der
Hauptstadt, weiter. Zuerst war die Piste sogar frisch geschoben, und obwohl
uns viele Leute Horrorgeschichten über ihren Zustand erzählten, konnten wir
es noch nicht glauben. Nach 35 km wurde zwar dann die Piste schlechter,
einspurig und immer mehr Schlaglöcher, aber immer noch befahrbar. Die Löcher
wurden zwar immer tiefer, es hielt sich jedoch noch in Grenzen, da es
anscheinend seit einer Woche nicht mehr geregnet hatte und somit inzwischen
fast alles austrocknete. Nach etwa 120 km kam das erste grössere trockene
Loch - wir balancierten noch darüber. Da es jedoch schon fast eindunkelte
und weil sich immer mehr Wolken zusammenballten, kehrten wir sogleich zurück
und übernachteten gleich daneben in einer Kiesgrube. Um Mitternacht begann
es zu giessen, und wie! Am Morgen konnten wir bei der "Lochbesichtigung" nur
noch von Glück reden, dass wir zurückgekehrt sind. Zwangsläufig fuhren wir
10 km zum Indianerdorf Annai zurück, wo ein Engländer eine sehr teuere Lodge
betreibt. Dort konnten wir dann die folgenden Tage herumhängen und die so
langsam von Georgetown ankommenden Bedford-LKW's befragen, in welchem
Zustand die Piste sei. Fazit: ,VERY ROUGH'!!! Einen Tag später gelang es
dann dem ersten Landrover, von Norden her durchzukommen. Eine Farmers-Frau,
die im Süden von Guyana eine Ranch mit 6000 Rindern betreibt und mit dem
Landrover von Georgetown zurückfuhr, meinte, sie hätte in ihren 10 Jahren
rauf- und runterfahren noch nie einen solch katastrophalen Pistenzustand
erlebt. Wir konnten immer noch nicht so recht daran glauben und nahmen
inzwischen mal unsere ganze Dachlast herunter. (Dadurch müssen wir seither
im Zelt schlafen.)
Amerindian-Haus:
Die Amerindians in der Rupununi Savanne in Guyana leben in einfachen,
strohbedeckten Behausungen |
Bedford:
Die Bedford-Fahrer sind mit Gütern und Menschen überladen, wenn sie
die anspruchsvolle Schlammpiste von Lethem nach Georgetown unter die
Räder nehmen |
Busch-
kinder:
Guyanesische Buschkinder spielen in Mocomoco bei Lethem an einem Fluss
|
Termitenhügel:
Mannshohe Termitenhügel, oft wie Tannenbäume anmutend, ragen aus der
Rupununi-Savanne |
Am 13.9. kamen dann vier Landcruiser-Pickups aus der Hauptstadt an. Obwohl
sie mit Ausnahme von Bier praktisch leer waren, mussten alle vier von den
Bedfords teilweise durchgezogen werden. Für sie stand fest, dass für uns
kein Durchkommen ist: 1. zu tief (Federn unter den Achsen, hier haben alle
die Federn über den Achsen); 2. zu schwer; 3. der Benzintank würde beim
Abschleppen über die metertiefen Furchen mit grosser Wahrscheinlichkeit
abgerissen; 4. zu "altersschwach". Und nun geschah folgendes: Am 16.9. stand
auf der anderen Seite der Lodge plötzlich ein "Rotel-Tours" Bus mit 20
Passagieren!!!!!! Wir glaubten umzufallen. Die Leute kamen anscheinend nach
Manaus eingeflogen und wollten nun eine sogenannte Pionierfahrt über den
gleichen Weg wie wir fahren. Der Fahrer und der Führer konnten die
Pistenzustände natürlich auch nicht glauben, obwohl sie sich schon in Lethem
einen Bedford-Truck als Bergefahrzeug mitnahmen. Auch wurden sie von den
Bedford-Fahrern schon über den Pistenzustand gewarnt, und speziell vor den
Brücken, die offenbar nur etwa 10 Tonnen aushalten, der Rotel wiegt jedoch
20! Kurzum, es wurde vereinbart, dass ab der Annai-Lodge mit dem Bedford für
etwa 3 Stunden nach Norden gefahren wird, um so den Zustand selbst zu
begutachten - und wir konnten mitfahren. Kurz nach dem Punkt, wo wir einige
Tage zuvor umkehrten, kam dann das erste richtige Loch: etwa mit dem
schlimmsten Schlammloch von Zaire vergleichbar. Und das soll noch das
kleinste sein! Die Rotel-Leute mussten gar nicht mehr bis zur ersten
fraglichen Brücke fahren, ihre Tour zu den Guyanas war gescheitert - d.h.
umkehren nach Lethem. Ihr könnt Euch die Enttäuschung der Gruppe nicht
vorstellen. Nun wird von falschen Prospektangaben, unsachlicher
Rekognoszierung und Regressansprüchen gesprochen. Wie wir dann später
hörten, flogen sie dann mit Kleinflugzeugen nach Georgetown und die
"Trans-Guyana-Airways" organisierte dann einen Bus nach Paramaribo in
Suriname. Kaum in Georgetown angekommen, soll sich der Reiseleiter abgesetzt
haben (verschwunden) und der Fahrer sitzt mit seinem leeren Rotel-Bus ja in
Boa Vista. Da Rotel aber von Deutschland nicht genügend Geld überwiesen
habe, die Fluggesellschaft mittlerweile auf Kredit noch einen Flug zum
Kaieteur-Fall durchführte, wollten sie von einer Busfahrt nach Suriname
nichts mehr wissen. Nun riss jedoch leider die Verbindung ganz ab, und wir
wissen über ihre Odyssee nichts mehr. Fest stand nur, dass sie ab Cayenne
nach Deutschland zurückfliegen sollten.
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