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Dschungelcamp:
Tukane rufen aus hohen Baumkronen beim Morgenessen auf unserem Dschungelcamp bei Mabura Hills in Guyana

Anakonda:
6 m lang ist die offenbar absichtlich überfahrene Würgeschlange Anakonda, die sogar eine Länge von 12 Metern erreichen kann

Mädchen:
Scheu blickt das süsse Mädchen in Sherima Crossing am Essequibo River in die Kamera


Boa Vista/Brasilien, 29.10.02


Sehr geehrter Herr Maissen,

Vielen Dank für Ihre Email nach Ihrer Rückkehr aus Ägypten. Wir können uns gut vorstellen, dass nun dort die Sicherheitsmassnahmen auf Alarmstufe eins sind. Wenn auch niemand Ihre Befürchtungen teilen will, dass auch wir einmal
Zielscheibe von Extremisten werden könnten - wir teilen sie und glauben, dass Europa nicht ausgeklammert wird (siehe Bali und Moskau).

Nun zu uns: Gerade, als wir uns von Boa Vista in Brasilien auf den Weg nach Venezuela zum Schutzgas-Schweissen machen wollten, fanden wir hier noch ein solches Spezial-Schweissgerät. Seit zwei Tagen sind nun die beiden Holmen
wieder geschweisst und mit Eisenplatten verstärkt. Was da (noch) hervorkam war nicht mehr viel: Nur noch Rost, Rost und nochmals Rost. Mit normalem elektrischen Schweissen wäre überhaupt nichts mehr übrig geblieben. So konnten aber die beiden Holmen gerettet werden. Nun lassen wir sie bei einer anderen Carosserie-Werkstätte noch mit Fiberglas aussprayen bzw. auffüllen, was dann die Festigkeit noch etwas verstärken sollte. Hoffentlich, denn wir wollen ja wieder weiter, unseren dritten Anlauf zur Hauptstadt Georgetown in Angriff nehmen, da nun tatsächlich an der Piste gearbeitet werden soll. Man rechnet, dass sie für uns in rund zehn Tagen befahrbar sein wird. Auf jeden Fall werden wir es nochmals versuchen.

Wenn Sie uns als weitere Gäste und Autoren in Ihre Webseite aufnehmen wollen, so haben wir nichts dagegen.

Noch etwas: Nach wie vor versuchen wir, unsere Reisekasse mit Reiseberichten aufzubessern. Falls Sie zufällig mal auf eine Zeitung/Magazin oder andere Institution stossen, die daran interessiert sein könnte, so lassen Sie es uns wissen.

Viele Grüsse an Sie und Ihre Familie:

Emil & Liliana Schmid
 

Kolonialstil:
In Bartica am Essequibo River findet man auf Schritt und Tritt nostalgische Kolonialbauten aus dem 17. Jahrhundert

Bananenboote:
Auf der Essequibo-Flussfahrt legen Bananenbote aus Ufersiedlungen zum Entladen an. Wegen Mangel an Strassen dienen die Flüsse in Guyana oft als einzige Versorgungswege

Moschee:
Das Islamic Center an der Parika-Strasse  in Georgetown ist eine der vielen Moscheen der Hauptstadt

Georgetown, 12.12.2002

Lieber Herr Maissen,

Vor drei Tagen sind wir heil in Georgetown angekommen. Per Zufall trafen wir in Boa Vista den Chef eines Reisebüros aus Georgetown, der mit drei anderen Partien, darunter dem Toyota Händler von Guyana, auf einem Fisch- und
Jagdtrip in die Rupununi-Savanne die abenteuerliche Piste gerade gefahren war. Er gab uns das Gefühl, es zu schaffen, wenn es inzwischen nicht wieder regnet, und bot sich an, uns über die noch prekären Passagen zu geleiten. So trafen wir uns am 30. November mit unserem Landcruiser-Konvoi und fuhren los. Die Piste war für 48 km noch im "Urzustand", jedoch trockener als vor zwei Monaten. Trotzdem gab es noch genügend schwierige Schlammpassagen, so dass wir unsere vier Schneeketten montierten, die uns schon im Zaire mehr Stabilität gaben. Erst schauten unsere Begleiter skeptisch, mussten dann aber zugeben, dass sie sehr wertvoll waren, denn auch sie schlitterten über die nasse, enge, durchlöcherte Piste. Und es kam wie es kommen musste: Bei einer Passage bröckelte der Rand ab und wir landeten mit den Hinterrädern in einer tiefen "Bedford"-Furche. Es gab eine abenteuerliche Bergung mit unserer
und der Seilwinde eines begleitenden Fahrzeuges. Aber nicht nur wir mussten geborgen werden. Für einmal waren auch wir die Berger, als der Toyota-Händler beim Ausweichen eines Bedfords die Böschung runter rutschte.

Als dann nach 48 km die Strassenbau-Equipe auftauchte, schnauften wir auf. Dort trennten wir uns von unseren drei Konvoi-Landcruisern, denn jetzt konnte uns nichts mehr passieren. Vor uns lag eine breite Schotterstrasse. Jetzt liessen wir uns Zeit, liessen das spezielle Urwaldgefühl mit seinen imposanten Baumriesen und all den fremden Lauten auf uns wirken. Einmal erwachten wir morgens in einer Kiesgrube mit Jaguarspuren um unser Zelt, ein andermal erfreuten uns die Rufe der Tukane, die sich hoch auf den Baumkronen rund um unser Camp niedergelassen hatten. Wir sahen Kaimane,
Schildkröten, Füchse, Rehe und eine sechs Meter lange überfahrene Anakonda der Strasse entlang. Die Welt des Primärregenwaldes fasziniert uns auf Schritt und Tritt.

Jetzt stehen wir auf im Toyota Service Center in Georgetown, wo vier bewaffnete Wächter das weitläufige Gelände bewachen. Zurzeit wird unserem treuen Landcruiser ein "Service" zuteil. Gerade werden alle Öle gewechselt.
Die Uhren ticken hier sehr langsam. So werden wir wohl noch ein paar Tage in Georgetown bleiben, bis das Auto aus dem Service entlassen wird.

Wegen der drogenbedingten grossen Kriminalität in Georgetown ist es nicht ratsam, dort mit dem eigenen Auto rumzufahren. So werden wir chauffiert.Bei einer "Sightseeing by Night" stellten wir fest, dass bereits um 2100h die Strassen verwaist sind, und wenn es Leben auf der Strasse gibt, dann sind es nur Typen - und was für welche! Wir sahen nur drei Frauen - und was für welche! (Drogen und Prostitution im höchsten Grade)! Schade, denn es gibt pittoreske, weiss getünchte Holzhäuser auf Stelzen aus dem 19. Jh., sehr schöne und schmucke Gebäude im Kolonialstil und die grösste Holzkathedrale der Welt. Interessant ist auch das Gemisch verschiedener Kulturen. So sieht man auf einen Schlag prunkvolle Moscheen, schlichte indische Tempel und imposante christliche Kirchen. Die "normalen" Menschen empfinden wir als freundlich und sehr hilfsbereit.

Weihnachten steht vor der Tür. Wir sind selber gespannt, wo wir die Festtage verbringen werden. In Suriname oder Französisch Guyana? Auf jeden Fall wünschen wir Ihnen und Ihrer Familie ein besinnliches, schönes Weihnachtsfest und im Neuen Jahr gute Gesundheit und Wohlergehen.

Mit herzlichen Grüssen:

Liliana und Emil Schmid


Tempel:
Indische Tempel neben Moscheen und Kirchen sind im kulturreichen Georgetown kein seltener  Anblick
.

Ministerbesuch:
Höflichkeitsbesuch beim Minister für Tourismus, Mr. Manzoor Nadir, in Georgetown. Touristen sind hier rar
High Court:
Die Landesflagge der wie ein Schloss anmutenden City Hall ist wegen des Todes des früheren Präsidenten Hugh Edmond Hoite auf Halbmast. Vor dem nüchternen „High Court“ steht ein Monument von Queen Victoria.

Georgetown/Guyana, 27.12.02

Sehr geehrte Familie Maissen,

Weihnachten ist in Guyana Party-Zeit, und wir werden nach dem Presserummel überall eingeladen. Auf den Strassen herrscht ein lebendiges, farbenfrohes Durcheinander von Strassen- und fliegenden Händlern. Dieses Gemisch von Völkern, Religionen und Mentalitäten ist einmalig - nur leider trüben ziemlich dunkle Wolken den Himmel.

Obwohl vor einigen Tagen der frühere Präsident Hoyt (1985-1992 - PNC), Nachfolger des legendären Kommunisten Burnham (1966-1985), verstorben ist, dürfte sich hier die Politik nicht beruhigen - vielleicht sogar eher verschlimmern. Die schwarzen, vielfach militanten Mitläufer dieser Partei, schaffen unwahrscheinlich viel Unruhe mit ihrer Brutalität (hauptsächlich Mord, unterstützt durch den Drogenhandel), obwohl sie nur etwa 30% der Bevölkerung ausmachen. Z.Zt. regiert Präsident Jagdeo (seit 1999 - PPP), ein Inder, der jedoch als ziemlich schwach eingestuft wird.

Die Inder bilden die Mehrheit (51%) und führen natürlich sämtliche Geschäfte, sodass für die anderen nur noch wenig übrig bleibt. Wie üblich sind die Weissen ausschliesslich an führenden Stellen zu finden, und der "Chinesenanteil" befasst sich auch vorwiegend mit dem Handel.

Sehr interessant ist auch noch festzustellen, dass - obwohl die Christen (54%) und Hindus (33%) die Mehrheit stellen - es mehr Moscheen als Kirchen und Tempel hat. Die Moslems haben nur einen Anteil von 8%. Es herrscht auch eine gewisse, z.T. auch berechtigte Angst vor dem venezolanischen "Ungeheuer" Chavez, der seinen Anspruch auf die westliche Hälfte von Guyana während unserem Aufenthalt auf der Isla Margarita anlässlich einer Veranstaltung in Cumaná wieder bekräftigt  hat. Es besteht eine latente Möglichkeit, dass er - um von seinen  innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken - plötzlich die "Flucht nach vorn" antritt, analog den Argentiniern im Falkland-Krieg. Und Guyana ist absolut ausserstande, irgendetwas gegen Chavez's Übermacht zu unternehmen (man sagt hier, dass die guyanische Kriminalszene viel mehr Waffen besitzt als das Militär und die Polizei zusammen). Mit Suriname sind die Guyaner wegen Ölfunden im Corentyne-Grenzflussdelta im Clinch. Kurz gesagt: Ein richtig explosives Pulverfass!

Nun wünschen wir Ihnen ein GUTES NEUES JAHR und hoffen, dass 2003 nicht wie 1939 enden wird.

Mit vielen Grüssen:
Emil & Liliana Schmid

Kathedrale:
Die St. George’s Kathedrale ist total aus Holz erbaut und gilt mit 43.6 m als eine der höchsten Holzkathedralen der Welt.
 

Rastaman:
Der karibische Einfluss und Charme ist in Guyana unverkennbar. Diese „Rasta-Men“ tragen wesentlich  zum exotischen Bild von Georgetown bei.

Stabroek Markt:
Der Name zeugt von der holländischen Vergangenheit. Der Besuch dieses lebendigen, farbenfrohen Marktes ist leider zurzeit sehr gefährlich.

Georgetown/Guyana, 6.1.03

Sehr geehrter Herr Maissen,

Nun sind wir auch schon bald wieder einen Monat in Georgetown - der an zweiter Stelle i.S. Kriminalität liegenden Hauptstadt der Amerikas (1.Platz führt Kingston in Jamaika, der 3. wird von Port-of-Spain in Trinidad eingenommen). Allerdings macht es den Anschein, dass es sich gelohnt hat. So > hat uns der Toyota-General-Manager der Toyota Guyana vor seinem Weihnachts-Neujahr-Ausflug nach Trinidad und Florida in Aussicht gestellt, dass uns eine guyanische Frachtgesellschaft eine Freifahrt für uns und unser Auto nach Port-of-Spain, der Hauptstadt Trinidad's und Tobago's,
offeriert, wenn die Frage des Ausladens in Port-of-Spain gelöst werden kann. Beim Verladen in Georgetown sollte es keine Probleme geben, da genügend Kräne vorhanden sind. Jedoch beim Ausladen in Trinidad legt das Schiff
am "kranlosen" Caricom-Pier an, und der schiffseigene Kran ist nur > fähig, 3 Tonnen zu heben - wir jedoch wiegen ungefähr 4.2! Und dieses Problem soll nun durch die Toyota Trinidad gelöst worden sein.

Folglich wird es demnächst auf dem Seeweg zu unserem 136. Land, Trinidad & Tobago, gehen. Bis anhin wissen wir zwar von niemandem, der es mit Auto schaffte, obwohl Trinidad offiziell das Carnet de Passages akzeptiert (wer nimmt den schon sein Auto nach Trinidad mit!). Es gibt aber im Internet eine Schilderung eines Argentiniers, der im Februar 2001 seinen 1928-er Graham Paige auf seiner Panamericana-Reise auf einem Segelboot von Venezuela nach Trinidad mitnahm, dann während 10 Tagen im Hafen lag und schlussendlich unverrichteter Dinge wieder zurück nach  Güiria/Venezuela musste, weil die Zollbehörden das Auto nicht einreisen liessen. Mal sehen, wie es bei uns läuft, die Hin- und Zurück-Reise sowie die Verladungen sind ja ohnehin gratis, und so langsam kriegen wir Übung mit den Zollbehörden.

Wir senden Ihnen zum Abschluss von Guyana noch vier Bilder aus Georgetown. Wir dachten uns eines zur  Komplettierung der jetzigen letzten Dreierreihe (rechts vom Ministerbesuch) und eine weitere Dreierserie am Schluss des letzten Artikels auf Seite 6. Aber natürlich ist es Ihnen überlassen!

Mit vielen Grüssen:

Emil & Liliana Schmid

Touristenkarte von Guyana mit eingezeichneter Route von E. und L.Schmid

 

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