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Dieses Schiff, die 'Lady Fazeela' sollte uns nach

Trinidad mitnehmen.

Wir warten, bis die Netze ausgelegt werden, um
uns hochzuhieven.

 

Höher geht es nicht mehr, die Aktion Trinidad'
scheitert daran.


Georgetown/Guyana, 17.2.03



Lieber Herr Maissen,

Trinidad - es hat nicht sollen sein! Seit Wochen hat sich ja unsere Abfahrt von Georgetown nach Port-of-Spain immer wieder verzögert. Mal hatte das Schiff eine Ladung, wo es uns nicht mitnehmen konnte, dann fuhr es eine andere Route, und am Tag vor dem letzten Termin vor zwei Wochen erhielten wir von Trinidad eine Liste von Bewilligungen, die dort für das Auslösen eines Touristenautos erforderlich sind. Man glaubt es nicht: Der Sicherheitsdienst, das Transportministerium, der Zoll, der trotz Carnet de Passage von einer Kautionshinterlegung sprach und natürlich die Immigration  - alle wollen mitreden. Interessanterweise ist das 'Red Tape' überall  kompliziert, wo einst die Engländer waren. Obschon wir die nötigen Gesuche sofort durchfaxten, dauerte und dauerte und dauerte es. So haben wir uns die letzten Wochen in Geduld geübt und am Fernsehen die turbulente politische Weltlage verfolgt.

Die Meldung, dass mündlich nun alle Stellen ihren Segen dazu gegeben haben und der Zoll auf eine Kaution für das Auto verzichtet, traf am letzten Donnerstag ein. Der Zufall wollte es, dass das Schiff am Freitag erneut nach  Trinidad auslief. Voller Freude, endlich von diesem kriminellen Georgetown wegzukommen, wo allein seit Beginn des neuen Jahres über 40 (Raub)-Morde stattfanden und uns kürzlich drei volle Wasserkanister trotz Wächter - anstatt aufpassen schlafen sie - vom Dach gestohlen wurden, fuhren wir also am Freitagmorgen zum Hafen, um unseren Landcruiser auf die "Lady  Fazeela" zu verladen.

Aber es lief leider wieder einmal anders als man dachte: Diese letztmögliche Schiffsreise nach Trinidad vor dem berühmten Karneval anfangs März erforderte aufgrund ihrer spezifischen Ladung, dass unser Auto vom schiffseigenen Kran vor dem Ausladen im Hafen von Port-of-Spain auf dem Schiff nochmals örtlich verschoben werden muss. Der Test im Hafen von Georgetown zeigte leider, dass die Krananlage des Schiffes für das Herumhieven unseres schweren Autos nicht genügend stark war. Schweren Herzens haben wir uns somit vom Projekt Trinidad verabschieden müssen.

So werden wir uns morgen Dienstag auf den "Strassenweg" nach Suriname machen. Es sind knapp 500 km bis zur Hauptstadt Paramaribo, mit drei Fähren dazwischen. Von Paramaribo aus werden wir einen Ausflug zum Blommestein-Meer unternehmen, bevor es weiter nach Französisch Guiana geht.

Wir haben uns ausserdem entschlossen, noch länger in Südamerika zu verweilen und unsere Überfahrt nach Afrika zu verschieben. Wie wir kürzlich erfuhren, sind erstens die Frachtkosten zwischen Südamerika und Südafrika dermassen in die Höhe gegangen - praktisch alles geht mittlerweile via Transshipments entweder über Europa oder die USA, - und zweitens haben die Probleme (Sicherheit, Korruption und Visa-Kosten - auch Nationalpark-Eintrittskosten) so stark zugenommen, dass man schon gesponsert und geichzeitig auch ein wenig masochistisch veranlagt sein muss, um es sich noch "leisten" zu können bzw. daran Gefallen zu finden. Ausserdem, sind wir erst einmal in Afrika, kommen wir kaum ein drittes Mal nach Südamerika zurück. So möchten wir diesen Kontinent nochmals intensiv erleben: Die schneebedeckten Vulkane, die Stillen des Altiplano, die Lamas, Vicunyas und Guanacos, die Gletscher und die Pampa im Süden... Schon kommen wir wieder ins Träumen!

Zurzeit bietet ja anscheinend auch die Schweiz eine tiefwinterliche Märchenlandschaft. Wir hoffen, dass Sie in Ihren Sportferien im Engadin voll in diesen Genuss gekommen sind.

Noch vielen Dank für Ihre drei letzten Emails. Wir werden uns aus Panamaribo in Suriname wieder melden.
Bis dahin grüssen wir Sie und Ihre Frau ganz herzlich

Liliana und Emil Schmid

 

Szenen aus dem Karneval "Mashramani" 2003 in Georgetown, Guyana
 

Georgetown/Guyana, 5.3.03

Lieber Herr Maissen,

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt! So kommt die Fortsetzung unserer Reise nicht aus Dominica, sondern immer noch aus Guyana, denn die bereits begrabene "Trinidad Story" schien auf wundersame Weise wieder auferstanden!

Minuten vor unserer letzten vorgesehenen Weiterfahrt nach Suriname kommt der Schiffseigner und meint, dass er die "Panne" am Kran beheben wolle. Noch skeptisch, jedoch schon wieder hellhörig geworden, erkundigen wir uns nach dem nächsten Abfahrtstermin: Antwort: In etwa zwei Wochen, d.h. Ende Februar/anfangs März. Haben wir nun schon so lange auf dieses Abenteuer gewartet, was sind schon zehn weitere Tage innert 18  Jahren, sagen wir uns, umsomehr, als uns überraschend als Zugabe noch ein spezielles Zückerchen offeriert wird, das uns über den verpassten Trinidad-Karneval hinwegtröstet: Das Schiff laufe zuerst Dominica und dann Trinidad an, und während des mindestens zweitägigen Ausladens in Roseau könnten wir versuchen, den Hafen zu verlassen, um die offenbar wunderschöne Insel mit dem Auto zu erkunden.

Das liessen wir uns nicht zweimal sagen und nahmen die Angelegenheit gleich in unsere Hände. Aus dem Internet holten wir uns sämtliche Telefon- und Faxnummern sowie den Namen des Ministers für Tourismus, stellten einen 11-seitigen Antrag für eine Sonderbewilligung zusammen und  faxten ihn durch. Und siehe da: Nach einigen anschliessenden Telefonaten klappte es. Wir erhielten die entsprechende Zusage, ohne den sonst nervtötenden Papierkram.

Nun hätte es also am 6.3. mit der "MV Lady Fazeela" von Georgetown nach Roseau gehen sollen. Gestern, einen Tag vor dem Laden, 20.00 Uhr, kommt doch tatsächlich eine neue Ausrede: Der Wellengang sei zu hoch, man könne
unsere und des Autos Sicherheit nicht garantieren - wer's glaubt! Nun haben wir endgültig die Nase voll. Man muss die ganze Geschichte selber erlebt haben, um es glauben zu können. Wir kommen uns richtig verar.... vor! So geht es also morgen nach Suriname weiter - definitiv!!

Trotzdem hier noch einige Karnevalsbilder, allerdings nicht von Trinidad, sondern von Georgetown. Komischerweise feiert Guyana seinen Karneval - genannt Mashramani - anlässlich des "Republic Day", also etwa eine Woche früher als alle umliegenden Länder.

Noch vielen Dank für Ihre Email vom 22. Februar. Es freut uns, dass  Sie im Engadin strahlendes Winterwetter geniessen durften und hoffen, dass der einigermassen glimpflich verlaufene Sturz Ihrer Frau ohne  Folgen geblieben ist. Dass Sie nach der Pensionierung Ihrer Frau auch gemeinsame Reisepläne hegen, können wir nur voll unterstützen. Es  braucht ja nicht gerade - wie bei uns - nach dem Motto auszuarten: Leben heisst Reisen!

Nun hoffen wir, Ihnen viel Positives aus Suriname berichten zu können und grüssen Sie und Ihre Frau inzwischen ganz herzlich:

Liliana und Emil Schmid

 

 

 

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