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Tropenblume:
Die leuchtenden Farben der Tropenblumen sind immer eine Augenweide

Pflanzenvielfalt:
Eine undurchdringliche Wand von faszinierenden Pflanzen

Strand:
Montjoly war unser Lieblingsstrand in  Cayenne

Regenwald:
Blick auf den flussdurchzogenen Regenwald von Französisch Guyana

Camping:
Frühstück im tropischen Garten von Xavier Lo Pinto in Cayenne

Cayenne/Französisch Guyana, 15.5.03

Hallo Herr Maissen,

Unsere Tage in Französisch Guyana sind gezählt. Ende Woche geht es nun neuen Horizonten entgegen - mit der " MV Husum" der CMA-CGM Linie auf ihrer letzten Fahrt nach Port-of-Spain in Trinidad! Ja, Sie lesen richtig: Nach
unserem dritten Anlauf scheint nun Trinidad zu klappen. Der Preis ist akzeptabel und wir können als Passagiere mitfahren. Wie Sie wissen, wollten wir ja nach Brasilien weiter, waren aber durch das Fehlen einer Transportmöglichkeit über den Approuague-Fluss bei Regina blockiert. Also suchten wir nach neuen Auswegen, während sich verschiedene Kanäle dafür einsetzten, für uns eine Lösung zu finden. Um es gleich vorwegzunehmen - sie haben eine gefunden: Am 15. Mai hätte uns die Fremdenlegion auf einem ihrer Transporte mitgenommen. Dass wir uns dann nach langem Hin und Her doch
gegen Brasilien und für Trinidad entschieden haben, hängt mit verschiedenen Gründen zusammen:

Erstens ist offenbar die Strasse von Oiapoque nach Macapá am Amazonas zurzeit wegen des vielen Regens in einem sehr schlechten Zustand (mit Schlammlöchern).

Zweitens macht sich je länger je mehr unser Getriebe geräuschweise bemerkbar, und ein kaputtes Lager in Brasilien, wo der Landcruiser überhaupt nicht bekannt ist, bringt ein Riesenproblem. Auf den Inseln hat es jedoch überall Toyota - auch die Toyota Trinidad weiss jetzt schon von unserem Problem. Wir haben zwar hier noch Ausschau für ein
Occasionsgetriebe gehalten, jedoch findet man nichts. Und die Löhne sind hier in Französisch Guyana viel zu hoch, um das Getriebe zu öffnen und einige Lager und Räder auszuwechseln!

Drittens: Obwohl die Amazonas-Flussfahrt auf Pontons von Macapá bis hoch nach Pucallpa in Peru eine grosse Versuchung ist, kämen nachher alle schon 1987 ausgiebig besuchten Gegenden von Peru, Bolivien, Argentinien und Chile; das erste Mal hat uns alles sehr, sehr gut gefallen. Wie ist es aber beim zweiten Besuch nach 16 Jahren? Wir finden, es ist besser, in "guten Erinnerungen" zu schwelgen, als überall nur Enttäuschungen zu erleben, weil sich bekanntlich ja kaum etwas zum Besseren ändert - es hat noch genügend Länder, die wir noch nicht besucht haben! Nur ein kleines Beispiel: Bei den Tatio-Geysiren in Chile wird eine Aussichtsplattform mit Abschrankungen erstellt, dasselbe passierte schon beim Perito-Moreno-Gletscher in Calafate/Argentinien - da behalten wir diese traumhaften Plätze lieber in Erinnerung, wie sie damals waren - wild und einsam - ohne Schilder, Reglementierungen und Vorschriften!


Urwaldstrasse:
Teilstück der Urwaldstrasse von Régina nach St. Georges
 

Kaiman:
Kaimane sind in den Urwaldgewässern zu Hause

St. Jean:
Idylle am Maroni-Fluss in Saint Jean

Ureinwohner:
Amerindian-Kinder leben noch im Einklang mit der Natur

Haus:
Typisches Kolonialhaus in Cayenne
 

Natürlich hoffen wir, von Trinidad aus noch weitere Inseln besuchen zu können, zum Beispiel mit Marfret nach Martinique und dann eventuell auch nach Guadeloupe. Wenn sie uns von Fort-de-France nicht nach Point-à-Pitre mitnehmen, verkehrt dort auch noch eine Lastwagen-Fähre, mit der aber zuerst abzuklären ist, ob sie auch PKW's mitnimmt. Auf der Marfret-Fahrt von Trinidad nach Guadeloupe könnten wir auch mitfahren, das ist schon klar; jedoch ist nicht klar, wie es mit dem Auto geht. Obwohl es ein Ro-Ro-Schiff ist, werden alle Fahrzeuge zuerst in Container und dann auf einen Anhänger verladen und auf diese Weise in das Schiff gefahren. Dieses Prozedere wird von den Gewerkschaften in Martinique verlangt, wo man dann bei Ankunft auch gleich eine ganze Crew von 4-5 Personen zum Ausladen anheuern muss. Ob wir diesen Quatsch umgehen können, klärt z.Zt. die Marfret in Fort-de-France ab - sonst haut es halt nicht. Sollten wir es bis Point-à-Pitre in Guadeloupe schaffen, hat CMA-CGM ab dort ein Klein-Ro-Ro-Schiff, das die kleinen
Leeward-Inseln Inseln Antigua, St. Kitts, St. Barts und St. Martin (manchmal auch Montserrat, Saba und Anguilla) abklappert. Allerdings ist u.U. da nicht überall die Mitfahrgelegenheit möglich (wegen Passagier-Konkurrenz-Schiffen)
- obwohl der hiesige CMA-CGM-Agent bereits mit der Zentrale in St. Martin telefonierte, müssen wir voraussichtlich noch ziemlich viel "Überzeugungsarbeit" vor Ort leisten. Aber das macht ja die ganze Sache spannend! Sollte alles schief laufen, würde uns im Notfall die berühmte "Lady Fazeela" wieder nach Georgetown/Guyana bringen - falls die Wellen
nicht wieder zu hoch sind!

Rückblickend waren die drei tropischen Guyana's für uns eine Reise wert. Einmal mehr erlebten wir, dass ,Off the beaten track'-Gebiete viel erlebnisreicher sind. Wir haben hier unheimlich viele offene, freundliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt, die uns unseren Aufenthalt in mancher Hinsicht sehr bereichert haben. So werden wir also mit einem
lachenden und einem weinenden Auge dieses spezielle Gebiet verlassen. Doch werden wir auf den Inseln mit unserem "Afrika-Safari-Look-Auto" bestimmt auch wieder Exoten sein!

Als Abschied vom Amazonas-Gebiet senden wir Ihnen noch einige Bilder.

Vielen Dank übrigens noch für Ihre letzte Email. Haben Sie neue Ferienpläne?

Ein letzter Gruss aus Französisch Guyana:

Liliana und Emil Schmid

 


Karte von Trinidad


Karte von Tobago

Port of Spain:
Zauberhafter Blick vom Fort George auf die wenigen Hochhäuser von Port-of-Spain

College:
Ein weiteres „Magnificent Seven“ Gebäude an der Maraval Road ist das Queen’s Royal College

Las Cuevas:
Bilderbuch-Strand von Las Cuevas an der Nordküste
 

Parkbank:
„Trinis“ indischer Herkunft lassen sich gerne fotografieren

 

Port-of-Spain/Trinidad, 7.6.03

Lieber Herr Maissen,

Seit zwei Wochen lacht uns die Sonne der Karibik an! Nach den sehr ergiebigen Regenfällen in Cayenne, wo im Autoinnern gleichzeitig alles zu Schimmeln begann, ist dieses trockene Klima wieder eine Wohltat. Die Überfahrt haben wir sehr genossen. Es war zur Abwechslung wieder einmal schön, auf hoher See neuen Horizonten entgegenzusegeln und sich an Bord mit guten Mahlzeiten und einer komfortablen Kabine verwöhnen zu lassen. Die russischen und ukrainischen Offiziere waren wirklich super nett. Obwohl es ziemlich schaukelte - weil das Schiff praktisch leer war - bedauerten
wir, dass die Reise nach drei Tagen bereits zu Ende war. Wir hätten es noch viel  länger aushalten können.

Am 22. Mai, um 0400, legte die "MV Husum" in Port-of -Spain an und kurz darauf klopfte uns der Kapitän aus dem Schlaf, weil die Immigration zu dieser unmenschlichen Zeit bereits an Bord kam. Nun, für uns selbst war dann
die Einreise nach Trinidad absolut problemlos. Wir erhielten auch gleich drei Monate Aufenthaltsbewilligung - sogar ohne ein Rück- bzw. Weiterflugticket zu haben. Anders war es aber für unseren Landcruiser. Dass Inseln in dieser Hemisphäre für die Einfuhr eines Autos - wenn auch nur temporär zu touristischen Zwecken - kein Zuckerlecken ist, wussten wir
ja  bereits aus der Dominikanischen Republik her, wo wir vier harte Tage gegen alle unmöglichen Forderungen und Korruptionen ankämpfen mussten. Hier lief es zwar in dieser Beziehung etwas sanfter ab, doch benötigten wir immer
noch  drei ganze Tage, bis der Landcruiser mit einem speziellen Trinidad-Kennzeichen den Zollhof verlassen konnte, obwohl wir vorgängig alle erforderlichen Bewilligungen mit Hilfe der Toyota Trinidad eingeholt hatten.
 Hauptgrund war, dass ein überheblicher Zollchef das "Carnet de Passage" nicht anerkennen wollte, obwohl Trinidad & Tobago das Abkommen 1954  unterschrieben hat, was auf dem Carnet auch vermerkt ist. Man bestand auf
einem Bond, der nach langen und komischen Berechnungen auf US$5000 festgesetzt wurde. Glücklicherweise leistete die Toyota diese Garantie. Einen vollen Tag benötigten wir dann beim Strassenverkehrsamt, denn um auf Trinidads Strassen herumfahren zu dürfen, braucht es ein lokales Kennzeichen, wie dies auch in Ägypten, Libyen und Japan der Fall war.

Nun, diese ersten Hürden haben wir ja nun inzwischen überwunden und geniessen nun Land und Leute. Wegen unseres Getriebeproblems, wo sich langsam gottlob eine Reparaturlösung abzeichnet, indem die benötigten Teile für eine Getrieberevision in Georgetown/Guyana vorrätig sind, aber noch Weg nach Trinidad finden müssen, haben wir uns noch nicht allzuweit von der Hauptstadt weg gewagt. Immerhin machten wir einen Ausflug an die Nordküste mit ihren tropischen Buchten, wo sich der Urwald bis zum Meer hinzieht. Am schönsten war aber die Fahrt über die Küstenbergkette selbst - von Arima nach Blanchisseuse: Einspurig windet sich die enge, asphaltierte Strasse
in vielen Kurven durch einen wunderschönen Tropenwald. Auffällig ist die grosse Vielfalt an farbenprächtigen Pflanzen und Blumen und das nie endende exotische Vogelgezwitscher - weit ausgeprägter als im dichten Feucht-Regenwald Guyanas.


Columbus:
Christopher Columbus Denkmal, der Trinidad im Jahre 1498 entdeckte
 

Castle:
Das Stollmeyer’s Castle an der Maraval Road, um 1900 gebaut, gehört zu Port-of-Spain’s „Magnificent Seven“ historischen Gebäuden

Cathedral:
Eindrucksvolle römisch-katholische Kathedrale im geschäftigen Stadtzentrum von Port-of-Spain
 

Strassenverkäufer:
Strassenverkäufer gehören zum bunten Strassenbild der Hauptstadt

 

Mädchen:
Junges Mädchen wartet auf den Bus in Port-of-Spain
 

Port-of-Spain mit etwa 350'000 Einwohnern ist eine von Leben überschäumende,  zwischen tropischen Hügeln eingebettete kosmopolitische Stadt am Golf von Paria mit ständig verstopften Strassen und einem wiederum unglaublich
vielfältigen Menschengemisch. Beeindruckende herrschaftliche Häuser mit  faszinierender Architektur, genannt die ,Magnificent Seven' säumen die Maraval-Strasse. Mit seinen leuchtend rot blühenden Flomboyant-Bäumen
ist der Queen's Park Savannah - der "Central Park" Port-of-Spain's - eine einzige Augenweide. Zum exotischen Stadtbild tragen aber vor allem auch die vielen Rastatypen mit ihren eigenwilligen Haartrachten und Kopfbedeckungen bei, die aber leider auch die Mehrheit an Bettlern, Obdachlosen und Pennern stellen. Schwarze (40%), Inder (40%), Mulatten (18%), einige Chinesen und Europäer sind die hier meist vertretenen ethnischen Gruppen der 1.3 Mio. Einwohner zählenden zwei Inseln Trinidad & Tobago, alles Nachkommen von eingeführten Arbeitern für die Bearbeitung der Zuckerrohrplantagen.
Leider ist auch hier die Kriminalität wieder sehr hoch. Fast täglich berichten die Zeitungen über Morde, und viele Gebiete sind aus Sicherheitsgründen wieder "No-go-Areas". Trinidad & Tobago, Guyana und Jamaika scheinen sich i.S.  Kriminalität - hauptsächlich Drogen -Konkurrenz zu machen! Auch wurde etwa vor einer Woche die Polizei von der Regierung Trinidad's aufgefordert, das Verfahren "Shoot to Kill" anzuwenden, d.h. sich wehrende oder flüchtende
Täter können problemlos erschossen werden. Trotzdem fühlen wir uns nicht unwohl oder bedrängt wie es die erste Zeit in Georgetown war. Die Menschen hier sind interessiert, offen und uns freundlich gesinnt - speziell, nachdem wir im Fernsehen und den Zeitungen waren, können wir uns vor Aufmerksamkeiten kaum mehr wehren: Hupen, Winken, Rufen, Händeschütteln und uns willkommen heissen - es ist ein gutes Gefühl!

Nachdem wir vorsorglich die ganze Umrundung der Insel sowie den Ausflug mit einer Autofähre nach Tobago bis nach unserer Getrieberevision verschoben haben, bemühen wir uns schon jetzt um die Möglichkeit, zu weiteren  Karibik-Inseln bzw. -Staaten überzusetzen. Im Moment kristallisieren sich Grenada, Martinique und vielleicht noch Barbados heraus. Doch auch andere Inseln sind noch nicht ausgeschlossen. Eines ist aber sicher: Einfach ist es nicht, zumindest mit einem eigenen Auto! Ein Segelboot hat es da viel einfacher. Allerdings hat sein "eigenes Haus" auch seine Vorteile: Die  Karibikinseln sind zwar superschön, jedoch auch superteuer. Bringt man jedoch seine eigene Schlaf- und  Kochgelegenheit mit, kann man sich die sehr teuren Hotel- und Restaurantpreise sowie den Mietwagen sparen. Kann man
dann noch zusätzlich mit dem Frachtschiff gratis oder günstig mitreisen, fallen sogar die nicht unerheblichen Flugpreise weg. Die Supermärkte selbst sind nämlich nicht allzu teuer, zumindest nicht teurer als in Europa. Das Benzin ist mit
Fr. -.54 pro Liter sogar als sehr günstig zu bezeichnen (Diesel nur Fr. -.28).

Zurzeit wohnen wir in einem gemütlichen kleinen "Guesthouse", wo uns die Toyota Trinidad untergebracht hat und hatten Gelegenheit, uns am Fernsehen die Ausschreitungen in Genf wegen der G8-Konferenz in Evian und die damit  zusammenhängende harsche internationale Kritik an unserer Polizei anzusehen - wahrlich kein gutes Image für unser Ländle!

Wir danken Ihnen noch ganz herzlich für Ihre Mail vom 15. Mai. Ist Ihre Tochter Yvonne schon beim Spanisch lernen in Costa Rica? Obschon Costa Rica ein schönes Land ist, haben uns persönlich Nicaragua und Panama besser gefallen. Aber eben, jeder sieht es auf seine Weise. Hingegen verbinden uns mit Ägypten, Ihrem nächsten Ferienziel, nur gute Erinnerungen. Aber sie waren ja ebenfalls schon dort.

Zum Abschluss noch einige Fotos mit den ersten Eindrücken aus Trinidad.

Im übrigen wollen wir noch auf die Weltreise-Forum-Webseite www.weltreise-forum.info  von Klaus Därr aus München hinweisen, worin wir sporadisch über die "fahrzeugtechnischen" Einreiseprobleme von Autoreisen "Off the Beaten Track", d.h. in nicht oft bereiste Länder, schreiben und informieren.

Herzliche Grüsse an Sie und Ihre Familie:

Liliana und Emil Schmid

 

 

 

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